Traumatisierte Geflüchtete haben ein Recht auf qualifizierte psychotherapeutische Behandlung

Erklärung der Teilnehmer_innen des Kongresses „Migration und Rassismus“ der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) vom 3. bis 6. März 2016 in Berlin zum Asylpaket II

Die mit dem Asylpaket II beschlossene Verschärfung des Aufenthaltsrechts will eine schnellere Abschiebung durch Krieg und Flucht traumatisierter Menschen ermöglichen. Gegen Abschiebungen wenden wir uns. Anders als in der Begründung des Gesetzes behauptet, stellt die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zweifelsfrei eine erhebliche, schwerwiegende und oft lebensbedrohliche Erkrankung dar. Dies zu leugnen, bedeutet eine eklatante Missachtung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die internationale Klassifikation von Krankheiten (ICD 10) führt genaue Diagnosekriterien für PTBS auf.

Das im Asylpaket II vorgesehene Schnellverfahren verhindert jegliche seriöse, professionelle Diagnostik. Die Bagatellisierung der PTBS soll zu mehr Abschiebungen nach lediglich oberflächlicher Prüfung führen. Umso befremdlicher ist es, wenn andererseits die Bundesregierung im Jahr 2014 eine Sondervereinbarung mit der Bundespsychotherapeutenkammer abgeschlossen hat, um eine zeitnahe Behandlung im Auslandseinsatz psychisch traumatisierter Bundeswehrsoldat_innen zu gewährleisten. Die Gesundheit von Geflüchteten darf nicht weniger Wert sein, als die Gesundheit von Soldat_innen.

Insbesondere wenden wir uns gegen die 14-Tage-Frist, innerhalb derer Flüchtlinge alle Untersuchungen absolviert und Gutachten über eine psychische Krankheit eingeholt haben sollen. Zudem sollen Psychologische Psychotherapeut_innen zur Begutachtung nicht mehr zugelassen sein, dafür aber jede_r approbierte_r Arzt oder Ärztin, auch ohne psychotherapeutische Qualifikation. Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen bedürfen aber in jedem Fall fachpsychotherapeutischer Kompetenz.

Traumatisierte Geflüchtete müssen verlässlich ein Aufenthaltsrecht erhalten. Die Beendigung der traumatisierenden Situation, ein sicherer Ort, eine sichere Lebenssituation sind unabdingbare Voraussetzung für die Behandlung traumatischer Störungen. Das gilt auch besonders für Kinder und Jugendliche. Das neue Gesetz erhöht die Gefahr einer erneuten Traumatisierung und einer erheblichen Verschlimmerung des Krankheitsbildes. Die Menschenwürde und das Recht auf Unversehrtheit von Leib und Leben werden verletzt.

Das Asylpaket II belegt, dass es nicht um eine unvoreingenommene Prüfung von Asylanträgen, sondern nur um rasche Abschiebung geht. Es ist ein alarmierender Beweis für die menschenfeindliche Politik gegenüber Geflüchteten und Migrant_innen, die wir entschieden verurteilen.

Berlin, März 2016

 

Die Erklärung als pdf: NGfP_Erklaerung_Asylpaket_II.pdf

Stellungnahme zur psychosozialen Situation von Geflüchteten von März 2016

Stellungnahme der Teilnehmer_innen des Kongresses der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) „Migration und Rassismus“ vom 3. bis 6. März 2016 in Berlin zur psychosozialen Situation von Geflüchteten

Das Schicksal der vielen Menschen, die nach Europa kommen, weil sie zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen sind, bewegt uns und große Teile der deutschen Bevölkerung sehr. Die Schutz Suchenden fliehen vor Hunger, Unterdrückung und Krieg und sind auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben. Viele sind tief traumatisiert. Auf dem oft langen Fluchtweg haben sie Not und Todesangst durchlitten, und sie erleben häufig erneute Traumatisierung in Deutschland. Sie benötigen einen sicheren Ort und Unterstützung durch Wohnung, Arbeit, medizinische und psychologische Versorgung. Stattdessen erwartet sie meist ein auf Jahre unsicherer Aufenthaltsstatus, mit Angst vor Abschiebung und ohne Möglichkeiten, das eigene Leben selbst zu gestalten. Vielerorts sind sie mit rassistischer Gewalt konfrontiert.

Die Kongressteilnehmer_innen sehen keine Anstrengungen der politisch Verantwortlichen, die Fluchtursachen tatsächlich zu beseitigen. Denn dies hieße für Nato und EU im Nahen Osten und Afrika, die wirtschaftliche und politische Einflussnahme, kriegerische Interventionen und Waffenlieferungen zu beenden. Stattdessen beobachten wir große Anstrengungen, kriegstraumatisierte Menschen von Deutschland fernzuhalten: Schließung der Grenzen, Verschärfung der Kriterien und Verfahren für die Gewährung von Asyl. Für das Abfangen von Flüchtenden vor der europäischen Außengrenze verspricht die Bundesregierung der Türkei EU-Milliarden.

Wir als Psycholog_innen und Psychotherapeut_innen sehen uns nicht nur in Pflicht, Traumatisierte zu behandeln. Die Teilnehmer_innen des Kongresses fordern die politisch Verantwortlichen in der Regierung auf, Geflüchteten ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, Schutzsuchende aufzunehmen und friedlich an der Beseitigung der globalen Fluchtursachen zu arbeiten.

Berlin, März 2016

 

Die Stellungnahme als pdf: NGfP_Stellungnahme_Situation_von_Gefluechteten.pdf

„Wir kommen, weil Ihr da ward“ – Interview zum Kongress “Migration und Rassismus”

Wir möchten Sie auf folgenden Artikel hinweisen, der im Vorfeld des Kongresses veröffentlicht wurde:

„Wir kommen, weil Ihr da ward“
Interview mit Dr. Christoph Bialluch, stellvertretender Vorsitzender der NGfP

Erschienen in der “Jungen Welt” am 25. Februar 2016: https://www.jungewelt.de/2016/02-25/012.php

Alle reden über Flüchtlinge. Wieso auch Sie bei dem bevorstehenden Kongress?
Wir bauen damit eine inhaltliche Brücke vom Kongress 2015 in die Gegenwart. Seinerzeit lag der Fokus darauf, mit welchen Mitteln und Methoden die Politik die Zustimmung zu militärischen Operationen herbeigeführt hat, obwohl in der Bevölkerung große Vorbehalte existierten. Diesmal ist es die Flüchtlingsproblematik, für die aus unserer Sicht genau diese militärischen Interventionen und Kriege in Syrien und Libyen sowie weiteren Ländern verantwortlich sind. Die direkte und indirekte Beteiligung Deutschlands und Europas an diesen Interventionen und damit die Mitverantwortung für die daraus entstandene Krise ist in der öffentlichen Diskussion noch weit unterrepräsentiert, wird von Politikern genauso wie von den meisten Medien nicht genug reflektiert. Wir konnten u.a. den Historiker und Konfliktforscher Kurt Gritsch zu diesem Punkt gewinnen.
Die Fluchtursachen konkret zu benennen hilft aber nicht den Flüchtlingsstrom zu stoppen.
Nein, aber es ist dennoch notwendige Voraussetzung für einen Politik-Wechsel. Die Politik des Regime-Change durch Intervention oder durch die Unterstützung einer dem Westen genehmen Opposition hat weder im Irak noch in Libyen oder Syrien irgendetwas Positives für die dortige Bevölkerung gebracht, sondern letztlich Konflikte bis an den Rand eines Weltkrieges ausgelöst. Wenn Politiker die Bekämpfung der Fluchtursachen als eines ihrer Ziele benennen, ist das nichts als eine Worthülse und meint jedenfalls keinen Politikwechsel. Es wird ja bereits wieder erwogen, in Libyen militärisch einzugreifen. So produziert der Westen nur neue Flüchtlingsströme. Es macht betroffen, dass diese Politik nicht viel mehr Kritiker auf den Plan ruft. Was wir an Denkanstößen beim Kongress dazu beitragen können, das werden wir tun.
Sehen Sie weitere Informationslücken, in die der Kongress vorstoßen kann?
Unbedingt. Prof. Elisabeth Rohr wird versuchen, aus ihren Forschungen in Lateinamerika pädagogische und psychische Betreuungsansätze für die ca. 60.000 unbegleiteten Kinder und Jugendlichen abzuleiten, die seit 2014 nach Deutschland gekommen sind und von der Politik entweder als ein lästiger zusätzlicher Kostenfaktor oder unter dem Aspekt des drohenden Familiennachzugs gesehen werden. Wir werden auch Teilnehmer beim Kongress haben, die mit diesen Kindern arbeiten. Therapeuten stehen in diesem Kontext vor einer völlig neuen Herausforderung, u.a. weil sie nicht nur in ihrer therapeutischen Rolle, sondern auch noch als Sozialarbeiter und eine Art Kulturvermittler gefordert sind.
Auch um die schamhaft verschwiegenen skandalösen Passagen im Asylpaket II zu psychischen Erkrankungen wird es gehen. Boris Friele vom Behandlungszentrum für Folteropfer und andere Psychotherapeuten (siehe Beitrag unten) werden darauf eingehen. Uwe Langendorf vom C. G. Jung-Institut Berlin befasst sich vor allem mit der Unbegreiflichkeit der traumatischen Migration, die sich unserer Vorstellung verweigert. „Es setzt etwas wie eine partielle Blindheit ein, sowohl im Blick auf die jetzige Welt als auch auf unsere Geschichte“, sagt er.
Was bedeutet das?
Wir ahnen eine Welle von bestimmten Traumatisierungen, für die unser Vokabular und Instrumentarium noch nicht ausreichen. Individuell wie gesellschaftlich gibt es eine Blindheit, oder nennen wir es Abwehrhaltung, diese Welle zu sehen; die Größe der Aufgabe macht Angst. Es muss angenommen werden, dass einige der Flüchtlinge so stark traumatisiert sind, dass sie in eine starke eigene Pathologie oder in Gewalthandlungen gehen könnten. Noch gibt es keine ausreichenden Kenntnisse, wie damit umzugehen ist. Als Veranstalter wünschen wir uns, der Kongress könnte dazu anstiften, interessierte Kreise für diese Aufgabe zu bilden.
Jetzt sprechen Sie über Ängste fast so wie manche Politiker.
Die Ängste sind da und zum Teil berechtigt. Die Antwort darauf können aber nicht Grenzschließungen, militärische Lösungen, Abwehr und Zurückweisung von Flüchtlingen sein. Es genügt auch nicht sie willkommen zu heißen. Wir müssen damit rechnen, dass bei einer so großen Zahl von Menschen, die zu uns kommen, schwer Traumatisierte, auch Kriminelle, usw. dabei sein werden. Wenn wir die Realitäten sehen, uns mit ihnen befassen, statt sie zu leugnen, werden wir leichter damit fertig werden – eine alte psychotherapeutische Weisheit.
Gehört zu der von Ihnen erwähnten Blindheit gegenüber der Geschichte auch die Verleugnung von Kolonialismus und postkolonialer wirtschaftlicher Ausbeutung als eine weitere Fluchtursache?
Momentan wird vor allem über Flüchtlinge aus dem arabischen Raum berichtet. Doch wir vergessen die aus Afrika nicht. Sie sind die Kindeskinder einstiger kolonialer Untertanen und formulieren zu Recht in einer Protestlosung „Wir sind hier, weil ihr da ward“. Eva König-Werner, die zurzeit Flüchtlinge aus Eritrea betreut, wird dazu sprechen. Andere Teilnehmer werden darauf eingehen, wie zivilgesellschaftliches Engagement zur Kompensation für fehlende politische Rahmenbedingungen herhalten muss und was das mit Helfern und Betreuern macht.
Bietet der Kongress Lösungen an Stellen, an denen die Regierung sie nicht hat?
Unsere Kongresse gehören zu denen, die vordergründig nichts nützen. Sie bringen keine Creditpoints, schulen nicht in einer später anzuwendenden Technik und helfen nicht auf der Karriereleiter. Umso mehr freue ich mich darüber, wie viele junge Referenten trotz Etablierungsdrucks in ihren eigenen Professionen den Weg zu uns gefunden haben. Unsere Intention besteht darin, für eine kurze Zeit Menschen sehr unterschiedlicher Professionen zusammenzuführen – vom Piloten der Bundeswehr bis zur Psychotherapeutin, von der Soziologin bis zum Pfarrer – und gemeinsam die Expertise für das Migrationsthema zu entwickeln, die auf längere Sicht in Deutschland dringend gebraucht wird.
Das Gespräch führte Christa Schaffmann.

Themenheft 2/2015 des Journal für Psychologie erschienen: “Qualitative Psychotherapieforschung”

Die neue Ausgabe des Journal für Psychologie ist da!

Themenheft 2/2015: “Qualitative Psychotherapieforschung”

Die von Thomas Slunecko, Aglaja Przyborski und Jörg Frommer herausgegebene Ausgabe versammelt Beiträge zum Thema “Qualitative Psychotherapieforschung – eine Standortbestimmung”. Die Herausgebenden hatten zu Darstellungen von aktuellen Forschungsarbeiten zur Psychotherapie eingeladen, die auf qualitativen Methoden in ›their own right‹ beruhen, also solchen, die nicht bloß quantitativer Forschung vor- oder zuarbeiten und dabei innerhalb letztlich einer deduktiv-nomologischen Forschungslogik verbleiben. Das vorliegende Heft bietet ein Forum, um die Leistungen und das Potenzial solcher Forschung sichtbar zu machen.

Die Ausgabe ist Open Access abrufbar unter
–> http://www.journal-fuer-psychologie.de/
(direkt-URL: http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/issue/view/47)

Journal für Psychologie: Call for Papers ›Psycholog_innen prekär‹

Call for Papers ›Psycholog_innen prekär‹
(hrsg. von Andrea Birbaumer & Peter Mattes) – Ausgabe 2/2016

Im Anschluss an eine Tagung, die die Gesellschaft kritischer Psychologen und Psychologinnen (Wien) zusammen mit der AG Kritische Sozialpsychologie der Sigmund-Freud-Universität Wien veranstaltet hat, wird das Journal für Psychologie ein Themenheft zu Standortbestimmung und Handlungsperspektiven von aktuell berufstätigen und sich ausbildenden PsychologInnen herausbringen. Zusätzlich zu einigen auf der Tagung vorgetragenen und diskutierten Papieren können in diese Ausgabe weitere Arbeiten aufgenommen werden. Mit diesem Call for Papers rufen wir dazu auf, uns Arbeiten zu der im Folgenden skizzierten Thematik einzureichen:

Wir PsychologInnen leisten unsere Arbeit in herausfordernden Feldern unter oft schwierigen Rahmenbedingungen. Seit jeher neigen wir dazu, dabei uns selbst und unsere Bedürfnisse zu vergessen. Wir nehmen zu wenig in den Blick, welche Voraussetzungen wir für eine gesunde und befriedigende Tätigkeit brauchen und klammern diese Fragen aus unserer eigenen Fachlichkeit in Praxis, Forschung und Theoriebildung aus. Es braucht aber Instrumente des Denkens, um unsere gesellschaftliche und individuelle Lage als PsychologInnen begreifen und artikulieren zu können.

Wir vernachlässigen es in der Folge, gemeinsam mit anderen für menschliche Bedingungen in unserem Arbeitsalltag zu kämpfen. Kritische Psychologien problematisieren dies, bleiben aber oft in abstrakten Analysen allgemeinpolitischer Zusammenhänge stecken, anstatt ernst damit zu machen, sich über die jeweils eigene Situation als Psychologe/in klar zu werden und von dort ausgehend gemeinsam mit anderen zu handeln.

In den letzten zwei Jahrzehnten beobachten wir, dass prekäre Verhältnisse, unter denen viele unserer KlientInnen leben mussten und müssen, nun auch uns PsychologInnen systematisch betreffen.
– Spätestens seit Ende der 1990er Jahre werden wir PsychologInnen in unserem beruflichen Handeln mit Sparzwängen und Kostendruck konfrontiert. Die Ökonomisierung, vor allem im Gesundheits- und Sozialbereich, wird oftmals mittels profitorientierter Managementkonzepte vorangetrieben. Von PsychologInnen wird verlangt, sich zu optimieren und zu rechtfertigen. Es soll immer mehr in immer kürzerer Zeit geleistet werden, ohne auf Angemessenheit und passende Rahmenbedingungen zu achten. Gleichzeitig erleben viele KollegInnen prekarisierte Arbeitsverhältnisse mit geringer sozialer Absicherung und unsicheren Zukunftsperspektiven.
– Veränderungen in den Studienbedingungen konfrontieren Studierende mit Konkurrenz- und Leistungsdruck, einem verschulten Ausbildungssystem, standardisierten Inhalten und einem Studium, das mit ihrer Lebens- und Arbeitsrealität wenig zu tun hat. Nach dem Studium arbeiten immer noch viele von uns für ihre postgraduelle Ausbildung ohne adäquate Entlohnung, und auch neben unserer Berufstätigkeit investieren wir viel Zeit und Geld in Weiterbildung, zum Nachteil für Privatleben und Lebensqualität.
– Die beschriebenen Situationen lösen in vielen von uns Ängste, Ohnmachtsgefühle, Aggressionen und mehr aus. Unter dem Druck der institutionellen Anforderungen und der Aufgabe, auf die Bedürfnisse und Nöte der KlientInnen einzugehen, kommen diese Gefühle und ihre Reflexion zu kurz. Oft ist zu wenig Raum, sich der Enge und Einschränkungen bewusst zu werden und uns darüber mit KollegInnen zu verständigen. Mangel an Sprache und Bewusstheit führt zu institutionell bedingten Symptomen wie Teamspaltungen, destruktiver Gruppendynamik, Mobbing, selbstaufopferndem Aktivismus oder Druck seitens Vorgesetzter.
Zur konkreten Veränderung sind Konzepte und Instrumente des Handelns gefordert, mit welchen wir uns zur Wehr setzen, für uns selbst eintreten und neue Spielräume schaffen können.

Falls Sie sich mit einem Beitrag an diesem Schwerpunktheft beteiligen wollen, senden Sie bitte zu unserer Orientierung bis Ende des Jahres 2015 ein Abstract (max. 1 Seite/3000 Zeichen) an:
birbaumer(at)gkpp.at und petermattes(at)aol.com

Sie erhalten zu Ihrem Abstract ein umgehendes Feedback. Die Endfassung Ihres Manuskripts sollte daraufhin bis 28.2.2016 vorliegen (Zusendung an die HerausgeberInnen oder Upload auf der Homepage der Zeitschrift). Um die Einhaltung unserer Manuskriptrichtlinien wird ausdrücklich gebeten (http://www.journal-fuerpsychologie.de/index.php/jfp/about/submissions#authorGuidelines ).
Anschließend an die Einreichung Ihres Beitrages startet das Begutachtungsverfahren (peer review), das Ergebnis wird Ihnen spätestens bis Juli 2016 mitgeteilt, Revisionen sind dann bis September 2016 vorzunehmen.

Das Heft wird in der zweiten Jahreshälfte 2016 online im Open Access erscheinen.

Der CfP im docx-Format: CfP_JfP_Psycholog_innen prekär_2015_11_15.docx

Der CfP im pdf-Format: CfP_JfP_Psycholog_innen prekär_2015_11_15.pdf

NGfP-Mitgliederbrief vom 24. Juli 2015 zur weiteren Auseinandersetzung mit der FU Berlin

(Weiter unten steht der Brief als pdf zur Verfügung.)

Berlin, 24. Juli 2015

Liebe Mitglieder, liebe Freunde der NGfP,

Unser nächster Kongress kann trotz widriger Umstände nun doch im März nächsten Jahres stattfinden. „Migration und Rassismus“ lautet das Kongressthema. Wie gewohnt treffen wir uns Anfang März, genauer vom 3. Bis 6. März, in Berlin, allerdings nicht wie bisher in der Freien Universität. Allen Protesten zum Trotz verlangt die FU von uns auch für den nächsten Kongress gut 6.000 Euro für Miete und Technik. Miete an die FU wollen wir aus politischen Gründen nicht zahlen und solche Summen können wir finanziell auf Dauer auch nicht für die Räumlichkeiten unserer Veranstaltungen aufbringen.
Der Vorstand hat allerdings eine günstige Alternative gefunden. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat uns eingeladen, den nächsten Kongress in Ihren Räumen auszurichten. Sie bietet uns ihre Räumlichkeiten kostenlos an. Wir haben im Einladungsflyer zu erwähnen, dass der Kongress von der Stiftung unterstützt wird. Es bleibt ein alleiniger Kongress der NGfP, die weiterhin frei über Inhalte und Ablauf während der drei Tage bestimmt. Ein parteipolitisches Bekenntnis ist mit dem Wechsel der Räumlichkeiten somit nicht verbunden und wird von unserem Gastgeber auch keineswegs verlangt. Klar ist dabei auch, dass die Stiftung uns hilft, weil sie geplanten Kongress zu „Migration und Rassismus“ thematisch für unterstützungswert hält.
Der Vorstand hat kontrovers über einen möglichen Ortswechsel diskutiert. Dabei sprach vor allem der Anspruch der NGfP, die Wissenschaft Psychologie politisch zu wenden und Studierende für diese Haltung zu gewinnen, gegen einen Kongress außerhalb der Universität. Allerdings hätten wir bei einem Verbleib in der FU akzeptieren müssen, dass die Universitätsleitung für kritische Wissenschaft dort längst keinen Platz mehr sieht. Wir hätten Miete zahlen müssen wie viele Verbände, die ein Wochenende lang FU-Räume nutzen. Auch in der Hoffnung, dass sich das studentische Milieu Berlins mittlerweile weit mehr in Mitte, Neukölln oder Friedrichshain zuhause fühlt, als in Dahlem, hat sich der Vorstand dann entschieden, dass großzügige und freundliche Angebot der Rosa-Luxemburg-Stiftung anzunehmen, die schließlich in Berlin-Friedrichshain unweit des Ostbahnhofs beheimatet ist.
Leider heißt das nun auch, dass unsere Proteste gegen die Gebühr von 6.000 Euro, die wir ja schon beim letzten Kongress der Freie Universität zahlen mussten, letztlich erfolgslos geblieben sind. Zur Erinnerung: Die TeilnehmerInnen unseres letzten Kongresses hatten und einen Protestbrief an das Präsidium der FU geschrieben, mit der Bitte, die Mietforderungen zurückzunehmen:
„Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mit großem Befremden vernommen, dass das Präsidium der FU dieser Veranstaltung, der inzwischen 7. der jährlichen Tagungen der NGfP, erstmalig den Status als Lehrveranstaltung und damit die kostenlose Nutzung der Räumlichkeiten der FU verweigert hat.
Erfreulicherweise sind rund die Hälfte der mehr als 150 TeilnehmerInnen der Veranstaltung Studierende, die aufgrund der – trotz dieser finanziellen Mehrbelastung – für sie besonders günstig gehaltenen Tagungsbeiträge die Gelegenheit eines erweiterten Lehrangebots wahrgenommen haben. Gerade sie hatten großes Interesse an der in ihren offiziellen Lehrveranstaltungen unterrepräsentierten Beziehung zwischen psychischen Phänomenen und gesellschaftlichen Bedingungen und wollen sich zukünftig noch aktiver in die Tagungen der NGfP einbringen. Durch das hochkarätige Programm der diesjährigen Tagung hatten die Studierenden darüber hinaus die Gelegenheit, eine große Zahl nationaler und internationaler VertreterInnen unterschiedlicher theoretischer Konzeptionen kennen zu lernen.
Alle TagungsteilnehmerInnen haben mit großem Dank und Anerkennung das hohe Niveau sowohl der Vorträge und Arbeitsgruppen als auch der Diskussionen dieser ausgezeichneten, interdisziplinären und internationalen Tagung gewürdigt. […]
Sollte die FU die Mietforderungen aufrechterhalten, würde dies die Durchführung vergleichbarer Veranstaltungen in Zukunft gefährden. Damit würde die FU dem in ihrem eigenen Selbstverständnis verankerten offiziellen gesellschaftlichen Bildungsauftrag und ihrem Gründungsethos, Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden verpflichtet zu sein, nicht mehr nachkommen. […]
Dies würde einen großen Verlust an kultur- und gesellschaftskritischer Auseinandersetzung an der FU bedeuten und Wissenschaft entgegen den Gründungsgedanken der FU aus ihren gesellschaftlichen Bezügen wieder in den Elfenbeinturm zurück verweisen.
Ein wichtiger Gesichtspunkt der Tagung galt den negativen Auswirkungen neoliberaler Politik auf gesellschaftliche Einrichtungen. Der Verdacht, dass die neue Vorgehensweise der FU auch unter diesem Aspekt zu verstehen ist, sollte vom Präsidium der FU ausgeräumt werden, um der offiziellen Selbstdarstellung ‚daher bleibt die Freie Universität auch im 21. Jahrhundert ihrem Gründungsgedanken treu, indem sie ihn zum Leitfaden ihrer Zukunftsgestaltung macht‘, gerecht zu werden.[…]“
Den in dem Brief angesprochenen Verdacht, dass die FU selbst an der neoliberalen Politik der Ökonomisierung aller Lebensbereiche mitwirkt, hat die Universitätsleitung nicht ausräumen wollen. Sie blieb bei Ihrer Gebührenforderung von rund 6.000 Euro für unseren nächsten Kongress, obwohl wir diesen zwischenzeitlich sogar gemeinsam mit dem AStA der FU und der Fachschaft Psychologie organisieren wollten.
Der Vorstand griff das Angebot des AStA auf, gemeinsam mit der Fachschaft Psychologie den nächsten Kongress durchführen. Die NGfP wollte als Kooperationspartner ihr bisheriges Wissen und Knowhow beisteuern. Doch die Leitung der FU verlangte selbst von AStA und Fachschaft die Gebühren für die Raumnutzung. Das ist ein unerhörtes weiteres Novum in der Geschichte der Universität. Die geplante Zusammenarbeit mit AStA und Fachschaft sollte deutlich machen, dass der Kongress auch ein Bildungsangebot an Studierende der FU ist. Wir müssen konstatieren, dass die Unileitung an von einem kritischen Wissenschaftsverständnis getragenen Bildungsangeboten kein Interesse hat und Sie durch Gebührenforderungen von der Universität fernzuhalten sucht.
Dass der Kongress nun trotzdem zur geplanten Zeit, wenn auch an einem anderen Ort stattfinden kann, verdanken wir der Solidarität der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Wir können der Stiftung an dieser Stelle nur herzlich für ihre großzügige Unterstützung danken. Die Neue Gesellschaft für Psychologie kann mit dieser Unterstützung weiter von einem kritischen, reflektierten Wissenschaftsverständnis getragene Kongresse und Tagungen organisieren, so wie es satzungsgemäß ihre Aufgabe ist.
Wir laden Euch alle zu unserem nächsten Kongress an einem Ort ein, an dem wir willkommen sind.
Der Vorstand der Neuen Gesellschaft für Psychologie
Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Jürgen Voges

Der Brief als pdf: NGfP_Mitgliederbrief_Juli2015.pdf

Call for Papers “Elternschaft als relationale Praxis” – Journal für Psychologie

Call for Papers “Elternschaft als relationale Praxis”
(hrsg. von Anna Sieben / Günter Mey) ˆ Ausgabe 1/2016

Mit dem Slogan “Elternschaft als Option” wird darauf aufmerksam gemacht, dass sich heute viele Menschen nicht nur bewusst für oder gegen Kinder entscheiden können, sondern unzählige Entscheidungen treffen (müssen): vom Einsatz pränataler Diagnoseverfahren, der Wahl des Geburtsortes, über die “richtige” Art der Kinderbetreuung bis hin zum Wohnort oder Ausmaß des Medienkonsums u.v.m.
Dabei erscheint Wahlfreiheit als zwiespältige Angelegenheit. Sie bietet Selbstbestimmung und fordert Festlegung und Positionierung. Entscheidungen positionieren Eltern und ihre Kinder in Milieu, Klasse, Kultur und Generation. Zweitens entscheiden Eltern für jemand anderes – ihr Kind – und mit Blick auf eine ungewisse Zukunft, für die sie sich verantwortlich fühlen. Drittens sind viele Eltern nicht alleine sondern zu zweit und in hohem Maße voneinander abhängig.
Mit dem Konzept der relationalen Praxis möchten wir in diesem Themenheft die vielfältigen Bezüge von Elternschaft im Spannungsfeld von (geforderter) Verantwortungsübernahme und (reflektiertem) Handeln einerseits sowie Interdependenz und Ausgesetzt-Sein andererseits in den Fokus rücken. Wir laden theoretische und (qualitativ-) empirische Beiträge ein, die dem Handeln und Erleben von Eltern aus psychologischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive nachgehen. Folgende Themen sind von besonderem Interesse:
** Diskurse zu Elternschaft, beispielsweise in Elternratgebern oder Zeitschriften
** Erlebte Dilemmata und Paradoxien der Elternschaft
** Prozesse der Entscheidung für oder gegen Elternschaft, bzw. für bestimmte Formen der Elternschaft inkl. alternative Lebensformen von Elternschaft
** Relevanz psychologischer Theorien für Handlungspraktiken und Selbstverständnisse von Eltern (beispielsweise behavioristische Lerntheorien, das Freud’sche Phasenmodell der sexuellen Entwicklung oder die Bindungstheorie von Bowlby)

Falls Sie sich mit einem Beitrag an diesem Schwerpunktheft beteiligen wollen, senden Sie bitte zu unserer Orientierung bis 15.1.2015 ein Abstract (max. 1 Seite/3000 Zeichen) an:
anna.sieben@rub.de und guenter.mey@hs-magbeburg.de

Sie erhalten zu Ihrem Abstract zeitnah ein Feedback. Die Endfassung Ihres Manuskripts sollte daraufhin bis 1.9.2015 vorliegen (Zusendung an die HerausgeberInnen oder Upload auf der Homepage der Zeitschrift). Um die Einhaltung unserer Manuskriptrichtlinien wird ausdrücklich gebeten (http://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/about/submissions#authorGuidelines ).
Anschliessend an die Einreichung Ihres Beitrages startet das Begutachtungsverfahren (peer review), das Ergebnis wird Ihnen spätestens bis Februar 2016 mitgeteilt, Revisionen sind dann bis März 2016 vorzunehmen.

Das Heft wird in der ersten Jahreshälfte 2016 online im Open Access erscheinen.

Auch Beiträge jenseits des Themenschwerpunkts sind immer willkommen. Diese reichen Sie bitte direkt über das Portal auf unserer Website www.journal-fuer-psychologie.de ein.

Journal für Psychologie Call for Papers: Polyamory

Journal für Psychologie Call for Papers Special Issue »Polyamory«, edited by Peter Mattes & Martin Dege
The media serving the erotic industry as well as the discourses of intellectual European and North-American urbanity have recently witnessed a type of lifestyle of lived eroticism which is termed, still somewhat awkwardly, Polyamory. This concept denotes an understanding of relationship »which enables sexual and/or love relationships with several partners simultaneously« based on the »precondition […], that all participants know about and support the non-monogamous character of the relationship« (Klesse 2007, p. 315). While many deride this lifestyle as a well-known practice of a however barely legitimized gay life, which has always already dwelled in the nooks of our culture to a larger or lesser degree, others experience it differently and view it as an extension of possibilities guiding the practices of desires.

The Journal für Psychologie will dedicate a special issue to this topic.

We are primarily interested in descriptive accounts—including practices of everyday life—, historical and anthropological accounts as well as social empirical investigations of the phenomenon ›polyamory‹. We hope that these accounts will be helpful to our, in this respect probably not sufficiently informed, readership.

Queer-theorists claim polyamory as a practice of deconstruction of heteronormativity. And at this point we believe it becomes interesting for us as scientists of the social sciences and the humanities:

If we want to understand performances of desire with Foucault as governed within an episteme, as »a decisively heterogeneous ensemble, which includes discourses, institutions, architecture, regimented decisions, laws, administrative actions, scientific statements, philosophical, moral, or philanthropic theorems« (Foucault 1978, S. 119f.)*, then the analysis and investigation of such a phenomenon could provide us with multiple insights into the discursive structure of our (scientific) disciplines, as constituted by sexuality, interpersonal relationships, social and cultural institutional practices. It could be asked, for example,

  • if and to what extent the dyadic basic assumption of psychoanalysis and other social psychological theories demands generality,
  • whether relational psychologies dominated by the concept of monogamous partnerships are justified in various therapeutic and consulting practices
  • whether there exist exclusions, one-dimensional bipolarities of presupposed anthropological and psychological models
  • to what extent there are power dynamics in a bio-psychosocial discourse which dominate a large degree of our everyday life—and possibly also helps to engender its particularities
  • if and to what extent these dyadic presuppositions remain unquestioned politically and socially, and whether they have a significant impact on the coordination, organization and (optimization of) efficiency of a society, its norms, values and political opinions

We are, of course, also open to contributions beyond the suggestions above. All articles will be evaluated in a peer review process.

The editors of this issue are Peter Mattes (Berlin/Vienna) and Martin Dege (New Haven).

Abstracts should be sent to petermattes@aol.com and mdege@clarku.edu. The deadline is February 15, 2013.
Feedback about your abstract will be provided until the end of February. The final version of your contribution should be submitted by June 30, 2013. The review process will be completed until August 31, 2013 and the special issue will be published in February 2014.

The Journal für Psychologie always welcomes contributions beyond our special issues. These should be submitted to redaktion@journal-fuer–psychologie.de

References:

Foucault, Michel (1978): Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin (Merve)

Klesse, Christian (2007): Polyamory – Von dem Versprechen, viele zu lieben. Zeitschrift für Sexualforschung 20 (4) , 316-330

Call for Papers as pdf

Call for Papers: Themenheft des Journal für Psychologie: Polyamory

Call for Papers des Journal für Psychologie zum Themenheft »Polyamory« herausgegeben von Peter Mattes & Martin Dege

In jüngster Zeit flackert in seriösen, wie in den, den Erregungsmarkt bedienenden Medien, ebenso wie in Diskursen der intellektuellen, europäischen und nordamerikanischen Urbanität eine Lebensstilvariante der gelebten Erotik auf, noch sperrig benannt als: Polyamory. Damit ist ein »Beziehungskonzept« gemeint, »das es ermöglicht, sexuelle und/oder Liebesbeziehungen mit mehreren PartnerInnen gleichzeitig einzugehen« unter der »Voraussetzung […], dass alle Beteiligten um den nicht-monogamen Charakter der Beziehung wissen und diesen befürworten« (Klesse 2007, S. 315). Von vielen belächelt als eine altbekannte Praxis des schon immer mehr oder weniger in den Winkeln unserer Kultur vollzogenen, wenn auch kaum legitimierten frohen Lebens, wird sie von anderen erlebt und performiert als eine Erweiterung der Möglichkeitsräume des Begehrens.

Das Journal für Psychologie plant zu dieser Thematik eine Ausgabe.

Zunächst wären Darstellungen – besonders aus dem gelebten Alltag – , historische und kulturanthropologische Abhandlungen sowie sozialempirische Untersuchungen dessen, was sich als Polyamory bezeichnet, für unseren (diesbezüglich vielleicht nicht hinlänglich informierten) LeserInnenkreis hilfreich und erwünscht.

Queer-TheoretikerInnen beanspruchen Polyamory als eine der Dekonstruktionspraxen von Heteronormativität. Und hier wird es unseres Erachtens für Sozial- und HumanwissenschaftlerInnen interessant.

Wenn wir die Performanzen des Begehrens mit Foucault als geregelt in einem Dispositiv sehen wollen, als »ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architektonische Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze […] umfasst« (Foucault 1978, S. 119f.), dann könnte uns die Betrachtung und Analyse eines solchen Phänomens zu vielfachen Einblicken in die diskursive Verfasstheit auch unserer Wissenschaftsdisziplinen, die ja unter anderem mit Sexualität, zwischenmenschlichen Beziehungen, sozialen und kulturellen Instituierungen zu tun haben, verhelfen. Es könnte z.B. gefragt werden

  • ob und inwieweit die dyadischen Grundannahmen der Psychoanalyse sowie einiger Sozialpsychologien Allgemeingültigkeit beanspruchen können,
  • nach der Berechtigung von konzeptstrukturierenden Paarbeziehungsansätzen in vielen Therapie- und Beratungsvorgaben,
  • überhaupt nach den Exklusionen, eindimensionale Bipolaritäten annehmender anthropologischer und psychologischer Modelle
  • und insbesondere nach dem im biopsychosozialen Diskurs präformierten Machtgefüge, das einen beträchtlichen Teil unseres Alltagslebens aktuell zusammenhält – und womöglich auch seine Besonderheiten hervorbringt.
  • ob und inwieweit die dyadischen Grundannahmen gesellschaftspolitisch unhinterfragt bleiben und die Koordination, Organisation und Leistungsfähigkeit bzw. -steigerung einer Gesellschaft in ihren Normen, Werten und politischen Einstellungen wesentlich bestimmen.

Aber auch an Texten, die jenseits unseres Erwartungsspektrums liegen, sind wir sehr interessiert. Sie unterliegen – wie alle anderen – dem im Journal für Psychologie praktizierten Peer-Review-Verfahren.

Die Herausgeber dieser Schwerpunktausgabe sind Peter Mattes (Berlin/Wien) und Martin Dege (New Haven).

Falls Sie sich mit einem Beitrag an diesem Schwerpunktheft beteiligen wollen, senden Sie bitte zu unserer Orientierung bis 15. Februar 2013 ein Abstract (max. 1 Seite) an:
petermattes@aol.com und mdege@clarku.edu
Sie erhalten zu Ihrem Abstract ein Feedback bis Ende Februar. Die Endfassung Ihres Manuskripts sollte bis 30. Juni 2013 vorliegen (Zusendung an die Herausgeber oder Upload auf der Homepage der Zeitschrift). Um die Einhaltung unserer Manuskriptrichtlinien wird ausdrücklich gebeten (http://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/about/submissions#authorGuidelines). Es startet sodann ein Begutachtungsverfahren (peer review), das Ergebnis wird Ihnen spätestens bis 31. August 2013 mitgeteilt. Falls erforderlich können die Beiträge bis 31. Oktober 2013 von Ihnen überarbeitet werden. Das Heft soll voraussichtlich im Februar 2014 online im Open Access erscheinen.
Beiträge jenseits des Themenschwerpunkts sind immer willkommen. Diese reichen Sie bitte direkt über das Portal auf unserer Website www.journal-fuer-psychologie.de ein.

Zitatnachweis:

Foucault, Michel (1978): Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin (Merve)

Klesse, Christian (2007): Polyamory – Von dem Versprechen, viele zu lieben. Zeitschrift für Sexualforschung 20 (4) , 316-330

Call for Papers als pdf

Call for Papers als pdf in englischer Sprache

Journal für Psychologie 1/2012 published: Material Girl_Boy: Intersubjectivity and Technology in children’s everyday life

The mixed-language, open access “Journal für Psychologie“ just published its most recent issue 1/2012 entitled “Material Girl_Boy: Intersubjectivity and technology in children’s everyday life”, edited by Niklas A. Chimirri and Ernst Schraube (both Roskilde University, Denmark).

Children conduct their everyday lives in a technological world: From their birth onwards, they are surrounded by material things – clothes, toys, rooms, apparatuses, electrical devices, etc. –, with and through these things they explore the world. The process is inextricably intertwined with the exploration of the world with and through others: Siblings, parents, friends, pedagogues, teachers, fictional characters, etc. get closer to the children via those things, assist the children in their explorations, explore together with the children the material and technological world. This reciprocity of the material and the intersubjective points to the fundamental socio-material mediatedness of children’s learning and of human development.

Such an understanding opposes and contrasts the individualism and the “worldlessness” of experimental, classical psychology. Instead it requires theories, concepts, and methods that are able to systematically think and explore the “worldliness” of human existence. Here human beings and the world cannot be understood as static entities: Human learning and development in the world is development of human relations to the world. The world itself does also not stand still: It is changing and is being changed. Consequently, the relation between children and the socio-material world must be considered as a reciprocal, dynamic process of mutual change. This special issue’s contributions build on such a presumption and argue for a contextual child research and for situated knowledge; a knowledge that connects the subjective and the particular in order to garner generalizable insights.

Research that investigates the relation between children and technology must thus take its point of departure in the everyday life of the children and in their concrete experiences with others and the material arrangements at hand. This implies looking at the children’s actions and on how these actions are directed towards human beings and material conditions. So as to grasp children’s everyday lives as “worldly”, research needs to understand children as actors and as active members of and contributors to their social worlds. And it requires the children’s perspectives on their everyday worlds in order to be able to say anything about children in the world.

The special issue’s articles try to establish a child research that contributes to a social self-understanding about the possibilities and limitations of everyday technologies for the development of children’s agency. They emphasize how important it is to engage in research that takes the perspective of the children on their everyday lives really seriously, while not forgetting about the challenges that such an endeavor faces.

Contents
Editorial: Intersubjektivität und Technik mit Kindern erforschen
Ernst Schraube und Niklas A. Chimirri
www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/111

Kinderperspektiven: Partizipation in gesellschaftlicher Praxis
Charlotte Højholt
www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/112

Mit Kindergartenkindern Medientechnologien ergründen: Alltägliche Lebensführung und subjektwissenschaftliche Technikforschung
Niklas A. Chimirri
www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/113

Aesthetic Play: The Meaning of Music Technologies for Children’s Development
Jytte Bang
www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/114

Ethnographische Methoden zur Erforschung der Medienaneignung in Kindertagesstätten
Katrin Hoffmann und Sarah Steiger
www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/115

How Things Matter in Everyday Lives of Preschool Age Children: Material-Semiotic Investigations in Psychology and Education
Michalis Kontopodis
www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/116

Das Ich und der Andere in psychologischer Technikforschung
Ernst Schraube
www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/117

As always, all articles are downloadable for free: www.journal-fuer-psychologie.de