Solidarität mit Clara Tempel – Resolution des NGfP Kongresses

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses der Neuen Gesellschaft für Psychologie 2019 mit dem Titel “Krieg nach innen – Krieg nach außen. Die Intellektuellen als Stützen der Gesellschaft?” haben ihre Solidarität mit der Friedensaktivistin Clara Tempel (vom Jugendnetzwerk für politische Aktionen) und mit ihrer Aktion zivilen Ungehorsams gegen die atomare Hochrüstung erklärt. Clara Tempel ist zu einer Ersatzfreiheitsstrafe in der JVA Hildesheim verurteilt worden, die sie am 21. März 2019 antreten wird. Es ist nicht ihr Engagement, das vom Gesetz verfolgt werden sollte, sondern die Entwicklung und Verbreitung von Atomwaffen, zu deren baldiger Vernichtung sich bereits die atomar bewaffneten Unterzeichnerstaaten des Atomwaffensperrvertrags von 1970 in aller Form verpflichtet hatten. Ein
mutiges und konsequentes Engagement wie das Clara Tempels ist von entscheidender Bedeutung, um das für unsere Zivilisation überlebenswichtige Ziel der Beseitigung aller Massenvernichtungswaffen zu erreichen.

Die Psychotricks des Kapitals

Der Siegeszug des Neoliberalismus beruhte vor allem darauf, dass er eine attraktive „Erzählung“ anzubieten hatte.

von Klaus-Jürgen Bruder
Rubikon vom 23. 02. 2019;
https://www.rubikon.news/artikel/die-psychotricks-des-kapitals
Armut der Vielen, Dekadenz der Wenigen, eine kaputte Umwelt, Seelen, die vom Wettbewerbs- und Selbstvermarktungsstress krank geworden sind … Der Kapitalismus hat Verheerungen in der Welt angerichtet, die nicht mehr zu übersehen sind. Eigentlich sollten seine Konzepte deshalb inzwischen zu Ladenhütern geworden sein, die den Mammonisten niemand mehr abkauft. Dennoch haben es Neoliberale geschafft, ihr Dogma der „Alternativlosigkeit“ in die Köpfe der meisten zu pflanzen, während Linke noch immer weitgehend von der Macht ferngehalten werden. Was die Nachfolger von Karl Marx falsch machen? Sie sind vor allem keine so guten Psychologen wie ihre Gegner. Sie unterschätzen die Verführungskraft attraktiver Konzepte und Erzählungen, die in der Lage sind, Schafen sogar noch den Schlachthof als attraktives Urlaubsdomizil aufzuschwatzen. Was es in dieser Situation braucht, ist eine „Große Weigerung“, sich die Welterklärungsmuster der Kapitalisten anzueignen und ihre Regeln zu befolgen.

Muth haben … um des Überlebens willen.

Klaus-Jürgen Bruder zum Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP), Berlin, 7. bis 10.3.2019 – interviewt von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, 27.02.2019

In wenigen Tagen – vom 7. bis zum 10. März – findet in Berlin wie seit vielen Jahren der Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie statt. Zahlreiche namhafte Referenten befassen sich in theoretischen und praktischen Beiträgen mit dem Thema “Krieg nach innen, Krieg nach außen. Die Intellektuellen als Stützen der Gesellschaft?”. Nun ist es Praxis der Psychoanalyse, auch oder gerade speziell unliebsame, verdrängte, kränkende Erfahrungen, d.h. im Grunde psychische Störungen bewusst zu reflektieren, um sie parallel zur Gefühlsebene rational zu erfassen und zu bewerten. Kern der Kongresse der Neuen Gesellschaft für Psychologie ist es, neben rein persönlichen Prägungen gesellschaftliche Umstände in die Bewertung einzubeziehen. In der modernen Geschichte der Psychologie des 19. Jahrhunderts folgte ein erster Lehrstuhl für Psychologie des eher als Pädagogen bekannt gewordenen Johann Friedrich Herbart in Königsberg auf den Aufklärungsphilosophen Immanuel Kant, dessen “Sapere aude. Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen” aus der modernen Geistes-, Sozial- und Humanwissenschaft nicht wegzudenken ist. Die NRhZ sprach mit Klaus-Jürgen Bruder, dem Vorsitzenden der Neuen Gesellschaft für Psychologie.

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