Presseerklärung der Neuen Gesellschaft für Psychologie e.V. zum Venezuela–Konflikt

Die Neue Gesellschaft für Psychologie e.V. ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus der Psychologie und den Sozialwissenschaften. Ihr gemeinsames Ziel ist die methoden- und gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit psychologischen Themen und politischen und sozialen Gegenwartsproblemen. Zu diesem Zweck bemüht sich die NGfP um eine Fächer übergreifende Zusammenarbeit sowie um die Überwindung der Spaltung von Wissenschaft und Praxis.

Wir sind über die Haltung der deutschen Regierung und der deutschen Medien im Venezuela-Konflikt aufs äußerste besorgt.

Als Bürger dieses Staates, als Psychologen, Wissenschaftler, Sozialwissenschaftler sind wir berechtigt und sehen uns in der Verantwortung, von der deutschen Regierung und den deutschen Medien eine völkerrechtskonforme Haltung und Politik, eine umfassende und wahrheitsgemäße Berichterstattung über die wichtigen internationalen Ereignisse und Konflikte, wie dem in Venezuela, zu erwarten und notfalls zu fordern.

Als Bürger verurteilen wir die Einmischung der deutschen Regierung in die Angelegenheiten eines souveränen Staates, wie dies durch die Anerkennung des selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guido in Venezuela und der Unterstützung der „Regimechange“- Politik der USA der Fall ist.

Wir befürchten, dass mit der völkerrechtswidrigen Einmischung in die Angelegenheiten eines anderen Staates durch die deutsche Regierung auch das politische Klima in unserem Land beschädigt wird. Wenn man dem Muster völkerrechtwidrigen Handelns folgt, könnte im Umkehrfall ebenso unsere Bevölkerung Opfer völkerrechtwidrigen Handelns werden.

Gleichzeitig macht uns die große Anzahl von einseitigen Berichterstattungen bis hin zu Desinformationen zum Venezuela-Konflikt besorgt. Damit wird das Recht des Bürgers auf wahrheitsgetreue, umfassende Information unterlaufen, was das Vertrauen in die Demokratie beschädigt und schnell zu einer Vergiftung des politischen und damit innenpolitischen Klimas und letztlich psychologisch zur Beschädigung des sozialen zwischenmenschlichen Miteinanders führen kann.

Der Vorstand der Neuen Gesellschaft für Psychologie
(Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder, Dr. Christoph Bialluch, Diplom-Psychologe Bernd Leuterer)

Link: https://www.ngfp.de/wp-content/uploads/2019/02/Zimmering_Venezuela.pdf

Wir verweisen außerdem auf die Deklaration zum Venezuela-Konflikt (verfasst von Raina Zimmering)

Solidarität mit Clara Tempel – Resolution des NGfP Kongresses

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses der Neuen Gesellschaft für Psychologie 2019 mit dem Titel “Krieg nach innen – Krieg nach außen. Die Intellektuellen als Stützen der Gesellschaft?” haben ihre Solidarität mit der Friedensaktivistin Clara Tempel (vom Jugendnetzwerk für politische Aktionen) und mit ihrer Aktion zivilen Ungehorsams gegen die atomare Hochrüstung erklärt. Clara Tempel ist zu einer Ersatzfreiheitsstrafe in der JVA Hildesheim verurteilt worden, die sie am 21. März 2019 antreten wird. Es ist nicht ihr Engagement, das vom Gesetz verfolgt werden sollte, sondern die Entwicklung und Verbreitung von Atomwaffen, zu deren baldiger Vernichtung sich bereits die atomar bewaffneten Unterzeichnerstaaten des Atomwaffensperrvertrags von 1970 in aller Form verpflichtet hatten. Ein
mutiges und konsequentes Engagement wie das Clara Tempels ist von entscheidender Bedeutung, um das für unsere Zivilisation überlebenswichtige Ziel der Beseitigung aller Massenvernichtungswaffen zu erreichen.

Die Psychotricks des Kapitals

Der Siegeszug des Neoliberalismus beruhte vor allem darauf, dass er eine attraktive „Erzählung“ anzubieten hatte.

von Klaus-Jürgen Bruder
Rubikon vom 23. 02. 2019;
https://www.rubikon.news/artikel/die-psychotricks-des-kapitals
Armut der Vielen, Dekadenz der Wenigen, eine kaputte Umwelt, Seelen, die vom Wettbewerbs- und Selbstvermarktungsstress krank geworden sind … Der Kapitalismus hat Verheerungen in der Welt angerichtet, die nicht mehr zu übersehen sind. Eigentlich sollten seine Konzepte deshalb inzwischen zu Ladenhütern geworden sein, die den Mammonisten niemand mehr abkauft. Dennoch haben es Neoliberale geschafft, ihr Dogma der „Alternativlosigkeit“ in die Köpfe der meisten zu pflanzen, während Linke noch immer weitgehend von der Macht ferngehalten werden. Was die Nachfolger von Karl Marx falsch machen? Sie sind vor allem keine so guten Psychologen wie ihre Gegner. Sie unterschätzen die Verführungskraft attraktiver Konzepte und Erzählungen, die in der Lage sind, Schafen sogar noch den Schlachthof als attraktives Urlaubsdomizil aufzuschwatzen. Was es in dieser Situation braucht, ist eine „Große Weigerung“, sich die Welterklärungsmuster der Kapitalisten anzueignen und ihre Regeln zu befolgen.

Muth haben … um des Überlebens willen.

Klaus-Jürgen Bruder zum Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP), Berlin, 7. bis 10.3.2019 – interviewt von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, 27.02.2019

In wenigen Tagen – vom 7. bis zum 10. März – findet in Berlin wie seit vielen Jahren der Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie statt. Zahlreiche namhafte Referenten befassen sich in theoretischen und praktischen Beiträgen mit dem Thema “Krieg nach innen, Krieg nach außen. Die Intellektuellen als Stützen der Gesellschaft?”. Nun ist es Praxis der Psychoanalyse, auch oder gerade speziell unliebsame, verdrängte, kränkende Erfahrungen, d.h. im Grunde psychische Störungen bewusst zu reflektieren, um sie parallel zur Gefühlsebene rational zu erfassen und zu bewerten. Kern der Kongresse der Neuen Gesellschaft für Psychologie ist es, neben rein persönlichen Prägungen gesellschaftliche Umstände in die Bewertung einzubeziehen. In der modernen Geschichte der Psychologie des 19. Jahrhunderts folgte ein erster Lehrstuhl für Psychologie des eher als Pädagogen bekannt gewordenen Johann Friedrich Herbart in Königsberg auf den Aufklärungsphilosophen Immanuel Kant, dessen “Sapere aude. Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen” aus der modernen Geistes-, Sozial- und Humanwissenschaft nicht wegzudenken ist. Die NRhZ sprach mit Klaus-Jürgen Bruder, dem Vorsitzenden der Neuen Gesellschaft für Psychologie.

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25687&css=print

Venezuela: Die Bundesrepublik Deutschland im Zwiespalt zwischen Völkerrecht und Rostgürtel

Von Raina Zimmering

Roger Waters von Pink Floyd zu dem Konzert von Branson an der venezolanisch- kolumbianischen Grenze und den „humanitären Hilfslieferungen“ der USA

Es hat nichts mit den Bedürfnissen der venezolanischen Bevölkerung zu tun, es hat nichts mit Demokratie zu tun, es hat nichts mit Freiheit zu tun, es hat nichts mit Hilfe zu tun.”

Obwohl Lateinamerika nicht und erst recht nicht Venezuela zu den Prioritäten deutscher Außenpolitik gehören, rückte dieses Land plötzlich in die politischen Schlagzeilen der Bundesrepublik. Venezuela leidet unter enormen ökonomischen Schwierigkeiten (Hyperinflation und extrem hoher Verschuldung) mit sozialen Verwerfungen, einem Exodus seiner Bevölkerung und einer Millionen zählenden Flüchtlingswelle, mit der besonders die Nachbarländer klar kommen müssen. Doch trotz dieser Situation, die das Resultat einer Gemengelage zwischen US-amerikanischen Sanktionen, dem Jahrzehnte langen interventionistischem Handeln westlicher politischen Körperschaften, dem sinkenden Erdölpreis, einer verfehlten politischen und wirtschaftlichen Reaktion der Maduro-Regierung auf die Ausgrenzung und einer sich zunehmend feindlichen Haltung der lateinamerikanischen Nachbarländer ist, interessierten die EU und deutsche Außenpolitik bisher nur am Rande.

Den ganzen Text als [pdf]

Die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) hat das Aufhängen eines Plakats des Gesprächskreises »Dialektik und Materialismus« verboten

Auf diesem wurde eine kritische Veranstaltung beworben:

»Selbstorganisation der Materie. Zur Rolle der dialektischen materialistischen Methode und Weltanschauung in der Herausbildung einer Entwicklungstheorie der Materie«.

Mehr zu Veranstaltung, Plakatverbot und Protest unter: http://www.offene-akademie.org/?tag=dialektischer-materialismus

Petition für Verfahrensvielfalt

Die NGfP unterstützt die Petition 78903 an den Bundestag.

Text der Petition
Der Deutsche Bundestag möge darauf hinwirken, dass bei einer Novellierung des Psychotherapeutengesetzes eine zukünftige Approbationsordnung für Psychologische Psychotherapeuten eine fachkundig angeleitete und praxisorientierte Anschauung aller Psychotherapieverfahren vorsieht und Hochschulambulanzen für alle in der Versorgung vertretenen Psychotherapieverfahren ermächtigt sind. Dies soll Studierenden ermöglichen, in der Weiterbildung eine aus Anschauung und Erfahrung begründete Wahl zu treffen.

CfP für den NGfP Kongress 2019

Der Titel lautet:
Krieg nach innen, Krieg nach außen –
und die Intellektuellen als „Stützen der Gesellschaft“?

Wir hatten uns ja bereits mit dem Symposium „Trommeln für den Krieg“ 2014 und dem Kongress „Krieg um die Köpfe“ 2015 eingehend mit den institutionellen und psychologischen Vorbereitungen zu Kriegen und der Rechtfertigung von Kriegen aus angeblicher Verantwortung heraus, beschäftigt. Wir wollen erneut die von der Mehrheit der Bundestagsabgeordneten angemahnte stärkere Beteiligung Deutschlands an Kriegseinsätzen und die ausgeweitete deutsche Waffenproduktion, die zunehmenden Feind-Erklärungen nach außen und nach innen, thematisieren und in ihren Zusammenhängen, ihren Ursachen und Auswirkungen, verstehen.

Gleichzeitig wird dieser Kongress nicht die vorangegangenen Kongresse wiederholen. Vielmehr greifen wir diese Themen deshalb wieder auf, weil sich immer stärker die Seite der Psychologie in den Vordergrund drängt. Wie ist es zu erklären, dass diese Themen uns immer noch bedrängen? Und welche Rolle spielt die Psychologie dabei? Wir stellen die Frage nach der Verantwortung der Psychologen, bzw. allgemeiner der Intellektuellen in dieser Situation, in diesen Verhältnissen.

Wir sind gespannt auf Eure / Ihre Vorschläge und freuen uns auf einen lebendigen Kongress

Mit besten Grüßen im Namen der Vorbereitungsgruppe
Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Bernd Leuterer, Jürgen Günther, Raina Zimmering, Werner Köpp

Der CfP als pdf.