Erklärung der IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) zur Forderung der Bundeswehr, Psychotherapeuten an der Behandlung von Soldaten aus Afghanistan-Einsätzen zu beteiligen

Offener Brief an Bundesverteidigungsminister Jung

Psychotherapeuten und Ärzte für den Frieden

Berlin, 31. August 2009

Sehr geehrter Herr Bundesminister Dr. Jung,

obwohl von Ihrem Haus bestritten, ist die Wahrheit offenkundig: Die Bundesrepublik Deutschland befindet sich in einem völkerrechtswidrigen Krieg in Afghanistan. Der vormals von der UN sanktionierte Kampf gegen Ausbildungslager für nicht-afghanische Extremisten am Hindukusch ist lange schon Vergangenheit. Der zivile Aufbau im Land wird von den Truppen inzwischen eher behindert denn befördert, Tausende ziviler Opfer bringen die einheimische Bevölkerung gegen die Besatzer auf.

Opfer gibt es mittlerweile auch auf Seiten der deutschen Soldaten. Die Kämpfe werden in internationalen Medien als außerordentlich hart beschrieben. Weitere gefallene, verstümmelte und traumatisierte Soldaten sind zu befürchten. Es ist offensichtlich: Die Mission in Afghanistan ist gescheitert. Die deutsche Öffentlichkeit hat das längst begriffen. Die Ablehnungsrate beläuft sich laut ARD Deutschlandtrend derzeit auf 69%! Nun soll die Psychotherapie die Heimatfront beruhigen, indem sie der deutschen Zivilbevölkerung die Beherrschbarkeit wenigstens eines Kriegsübels suggeriert. Damit der Krieg letztlich führbar bleibt, werden zudem zusätzliche PsychotherapeutInnen angeworben. (mehr …)