Weshalb die Verhinderung jeglicher Kritik an der Politik Israels konstitutive Funktion der Staatsräson der BRD ist

Beitrag von Moshe Zuckermann als Vorwort zu Abraham Melzer „Die Antisemitenmacher“, Westend Verlag, erschienen als Vorabdruck in den Nachdenkseiten vom 1. Oktober 2017

Aus dem Text:

 „Angesichts der Blockbildung im Kalten Krieg waren die Westmächte, allen voran die USA, an einem starken westlichen Deutschland interessiert, das eine geopolitische Bastion gegen den Vormarsch des vom Osten kommenden Kommunismus bilden sollte. Hierfür war es notwendig, Deutschland seiner jüngsten verbrecherischen Vergangenheit durch Entnazifizierung zu entheben und in die »Völkergemeinschaft« zu integrieren. »Wiedergutmachung« – zumal in Form einer kalkulierbaren Materialisierung der Sühne – kam da der offiziellen Politik Deutschlands (nicht seiner Bevölkerung) wie gerufen, zumal sie als Vertrag zwischen Staaten einen formellen Status der Schuldabtragung, um nicht zu sagen: der Entschuldung, beanspruchen durfte. Israel seinerseits war am deutschen Geld in höchstem Maß interessiert – es galt, die Infrastruktur zur Aufnahme der riesigen, mehr als eine Million Menschen umfassenden Einwanderungswellen von orientalischen Juden in den 1950er-Jahren herzustellen.“

„Ein ideologisches Nebenprodukt dieses materiellen, von Interessen geleiteten Deals war die gleichsam stille Vereinbarung, dass Israel von der BRD stets auch politisch und diplomatisch unterstützt, mithin kaum je kritisiert werden würde.“

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