Interview mit Jean Ziegler

„Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen – die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in wenig mehr als einem Jahr.“

Jean Ziegler (er war der erste UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und ist heute Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrates) im Gespräch mit Peter Wolter von der Zeitung „Junge Welt“ vom 16.11.2012: über sein neuestes Buch: „Wir lassen sie verhungern. Massenvernichtung in der Dritten Welt.“

http://www.jungewelt.de/2012/11-16/053.php

Zur Verantwortung der Wissenschaft

„Um so ziemlich alles machten sich die Wissenschaftler Sorgen. Um eine Mitschuld, eine Mitverantwortung an den Naziverbrechen kaum“.

So Uli Gellermann, am 15. November 2012 in der „Rationalgalerie“ in seiner Besprechung des Buches „Die Nacht der Physiker“ von Richard von Schirach im Verlag Berenberg.

Es handelt von Otto Hahn, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker und Ihren Versuch, in den letzten Kriegstagen den ersten deutschen Atomreaktor in Gang zu bringen.

„Nach der Internierung, mit der Gründung der Bundesrepublik und ihrer Weißwaschung als amerikanischer Bündnispartner im Kalten Krieg, stiegen die Physiker dann alle auf, als wäre nichts gewesen. Typisch für diese Karrieren war die Werner Heisenbergs, der zum Direktor des Max-Planck-Institutes avancierte, der dem Vertreter der Wiederbewaffnung Adenauer nahe stand und wohl auch deshalb sein Großes Verdienstkreuz mit Stern am Schulterband tragen durfte. Auch wenn Heisenberg 1957 gemeinsam mit anderen Physikern den Göttinger Aufruf gegen die militärische Nutzung der Atomkraft unterzeichnete, blieb er doch jenem deutschen Bürgertum verbunden, das seine Mitschuld an der Nazibarbarei nie eingestand. Als aufbegehrende Studenten Ende 1960 sein Institut zeitweilig besetzten, fiel ausgerechnet ihm der Vergleich mit der nationalsozialistischen Studentenbewegungen in den 1930er Jahren ein.
http://www.rationalgalerie.de/kritik/index_385.html

Auslandseinsätze der Bundeswehr hebeln das Friedensgebot des Grundgesetzes aus

Zu diesem Ergebnis kommt eine Dozentin der Bundeswehr-Führungsakademie, Sabine Jaberg in ihrer Analyse:
Es sei mittlerweile „genau das eingetreten“, was die Urheber des Grundgesetzes „hätten verhindern wollen“: „Streitkräfte dienen wieder als Mittel der Politik“ – als „Instrument blanker Interessenpolitik“ und „im Dauereinsatz“

Das „Tabu, Streitkräfte als Instrument blanker Interessenpolitik einzusetzen“, sei „längst gebrochen“; damit sei „genau das eingetreten, was die Väter und Mütter des Grundgesetzes hatten verhindern wollen“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Ihre Schlussfolgerung konstatiert die Suspendierung konstitutiver Elemente der Verfassung: „Wenn unter dem Schirm der grundgesetzlichen Friedensnorm aber nahezu alles erlaubt und kaum etwas verboten scheint, dann hat sie ihre Funktion als Richtschnur für politisches Handeln weitgehend eingebüßt.“

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58460