Repression gegen kritische Bürgerinnen und Bürger in der Türkei – Offener Brief des BdWi an Außenminister Steinmeier

Offener Brief des BdWi an Außenminister Steinmeier

Repression gegen kritische Bürgerinnen und Bürger in der Türkei

 

– Bitte um Unterzeichnung und Unterstützung! –

 

Wir wollen den Offenen Brief mit möglichst vielen Unterschriften unterstützen:

Wer den Text unterzeichnen will, kann das unter Angabe von Namen, Beruf bzw.

Funktion und Wohnort gern tun: Für die Unterzeichnung benutzt bitte am besten das Onlineformular unter:

http://www.bdwi.de/show/9404886.html

oder sendet entsprechende Rückmeldungen bitte an bdwi@bdwi.de.

Da wir den Brief am Montag absenden wollen, können wir alle Unterschriften, die bis Montag, 26.9., 15.00 Uhr eingehen, als ErstunterzeichnerInnen berücksichtigen.

Selbstverständlich wird es aber auch danach möglich sein, den Offenen Brief zu unterstützen.

 

Der offene Brief im Wortlaut:

Offener Brief

Repression gegen kritische Bürgerinnen und Bürger in der Türkei

 

Sehr geehrter Herr Minister Steinmeier,

 

mit großer Sorge und Empörung beobachten wir den weiterhin repressiven Umgang der türkischen Regierung mit kritischen Bürgerinnen und Bürgern.

Am 23. September 2016 begann in Istanbul ein Prozess gegen die Lehrerin Ayșe Çelik und zahlreiche ihrer – als „Komplizen“ angeklagten – UnterstützerInnen.

Am 8. Januar 2016 hatte Ayșe Çelik aus Diyarbakir in einer Fernsehtalkshow über die Folgen der militärischen Maßnahmen der türkischen Regierung in den kurdischen Gebieten berichtet und „ein Ende des Sterbens von Männern, Frauen und Kindern“ gefordert und die verzerrte Berichterstattung der türkischen Medien kritisiert. Sie rief das Publikum auf, „nicht still zu bleiben“.

Ayșe Çelik steht jetzt vor Gericht und wird der „Propaganda für den Terrorismus der PKK“ beschuldigt.

Diese Beschuldigung trifft auch zahlreiche ihrer UnterstützerInnen, die sich in einer Erklärung vom 13. Januar 2016 als „Komplizen von Ayșe Çelik“ bezeichneten, die sich desselben Verbrechens schuldig gemacht hätten, wenn die Worte von Ayșe Çelik ein Verbrechen darstellen würden.

Für ihre öffentliche Forderung, das Töten zu beenden, indem die Konfliktparteien die Waffen schweigen lassen und mit Verhandlungen beginnen, um damit einen Friedensprozess einzuleiten, stehen nun auch die Unter-stützerInnen von Ayșe Çelik vor dem Strafsenat in Istanbul.

 

Der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) unterstützt alle Bemühungen zu einer friedlichen Lösung der Konflikte in der Türkei und erklärt den betroffenen türkischen und kurdischen KollegInnen seine volle Solidarität.

Wir erwarten, dass die türkische Regierung die allgemeinen Menschenrechte und besonders die Meinungs- und Redefreiheit respektiert und die Strafverfolgung umgehend beendet. Kritik am demokratischen Staat und an den Handlungen von Regierungen ist ein demokratisches Grundrecht. Die KritikerInnen zu verunglimpfen, sie strafrechtlich zu verfolgen und mit Verlust ihrer beruflichen Positionen zu bedrohen, widerspricht dem Selbstverständnis demokratisch verfasster Staaten. Dies gilt auch für die Türkei, die das Ziel verfolgt, Mitglied der Europäischen Union zu werden.

 

Sehr geehrter Herr Minister Steinmeier,

 

wir halten es für notwendig, dass die deutsche Bundesregierung der türkischen Regierung gegenüber nachdrücklich diese Verletzung elementarer Grundrechte beanstandet und darauf hinwirkt, dass die Strafmaßnahmen gegen Ayșe Çelik und ihre UnterstützerInnen sofort eingestellt werden.

 

Mit herzlichem Dank und freundlichen Grüßen

Torsten Bultmann                                                                                 Steffen Käthner

(Geschäftsführer des Bundes demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler / BdWi)

Ringvorlesung »Flucht und Ankommen: psychosoziale Aspekte von Migration und Integration« an der FU Berlin

Bitte beachten Sie den Flyer zur Ringvorlesung »Flucht und Ankommen: psychosoziale Aspekte von Migration und Integration« an der FU Berlin im Wintersemster 2016/17: ringvorlesung_2016_flyer.pdf

Bitte beachten Sie auch, dass im Flyer fälschlicherweise als Beginn der 22.10.2016 angegeben wurde. Die Ringvorlesung startet nämlich schon am 19.10.2016 mit Klaus-Jürgen Bruders Vortrag »Migration und Rassismus« um 20:15. (Am 22.10.2016 wird keine Vorlesung im Rahmen dieser Reihe gehalten.)

Im Plakat sind die richtigen Angaben festgehalten: Ringvorlesung-2016-Plakat.pdf

Psychoanalyse/Psychotherapie im gesellschaftlichen Kontext – Vorträge im 2. Halbjahr 2016

Vortragsreihe zu einer kritischen Reflexion über die gesellschaftliche Verankerung und Verantwortung von Psychotherapie/Psychoanalyse, über gesellschaftliche Bereiche, die uns als praktizierende Psychotherapeuten tangieren.

 

Mittwoch 21.9.2016: Dr. Uwe Langendorf

Zur Psychologie der Revolution. Von Robespierre bis Al Baghdadi

Unsere „westliche“ „freiheitlich-demokratische“ Gesellschaftsordnung scheint durch revolutionäre Bewegungen bedroht, nicht nur von fundamentalistischen militanten Gruppierungen, sondern auch von fundamentalistischen Bewegungen aus der Mitte der Gesellschaft. Die administrativen Gegenreaktionen erscheinen aktionistisch-planlos, konzeptionslos. Es fehlt ein tieferes Verständnis für die revolutionären Beweggründe. Kann die Psychoanalyse zu einem besseren Verstehen beitragen? Nach einem kurzen Blick auf die europäische Revolutionsgeschichte werden einige Thesen vorgestellt.

 

Mittwoch 26.10.2016: Claudia Biehl

Traumatisiert auf der Flucht. Der Traumabegriff im Kontext diskrepanter Flucht- und Asylbedingungen.

Angst, posttraumatische und affektive Probleme sind unter Flüchtlingen erhöht. Die Diskrepanz unterschiedlicher Flucht- und Asylbedingungen sowie zwischen erhoffter aber nicht erfolgter Anerkennung, kann wesentlich sein für die Verarbeitung erlebter lebensbedrohlicher Erfahrungen, die Entwicklung einer Überlebensperspektive und die Bewältigung von Schwierigkeiten im Asylland. Prekäre Fluchtbedingungen, lange Bearbeitungszeiten, hohe Bürokratisierung etc. werden von Geflüchteten als weitere Stressoren und Verletzung erwarteter Gleichbehandlung verarbeitet. Berücksichtigung der traumatisierenden Erlebnisse und Fluchtbedingungen sowie prozessorientierte Hilfsangebote im Asylland, können ausschlaggebend für die Qualität der Traumaverarbeitung sowie der Akkulturations- und Integrationsprozesse in einer fremden Kultur sein.

 

Mittwoch 9.11.2016: Prof. Dr. Annett Schulze

Migrationsgeschichten im Journalismus: Repräsentation durch Sprache.

Die Berichterstattung über Migration und Flucht liefert unterschiedliche Perspektiven – sowohl in den Geschichten selbst als auch in der Betrachtung des Erzählten. Eine Kritik an den journalistischen Darstellungen ist die Kritik an den genutzten Worten. Dies reflektieren u. a. die Richtlinien der Nachrichtenagentur Associated Press, das Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher oder die Analysen des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung. In meinem Vortrag wird die Kritik dieser Organisationen mit der Frage verbunden, wie die Geschichten von Geflüchteten erzählt werden. Diskursanalytisch skizziere ich, welche Bewertungslogiken und -maßstäbe den repräsentierenden Begriffen eingeschrieben sind. Ich thematisiere damit die Ordnungsweisen der Verhältnisse, Praxen und Produktionsweisen von journalistischem Wissen.

 

Mittwoch 7.12.2016: Dr. Almuth Bruder-Bezzel

Die Attraktivität des Rechtspopulismus.

Um die Anziehungskraft der neuen Rechtsentwicklungen in Deutschland und anderswo zu verstehen, müssen wir ihre psychologischen, soziologischen und politischen Dimensionen und Verflechtungen einbeziehen und die Abwehrprozesse der darin gezeigten Ängste und Aggressionen, Hoffnungen und Omnipotenzphantasien aufzudecken versuchen. Zu den Erklärungsansätzen gehören die Umbruchssituationen in der Moderne, die existentiellen Unsicherheiten und Ungerechtigkeiten im neoliberalen Kapitalismus. Psychoanalytische Theorieansätze, die sich auf autoritäre oder faschistische Entwicklungen bezogen, können wir auch hier versuchsweise heranziehen.

 

Ort: Fundus Buchhandlung Knesebeckstr. 20 (nahe Savigny-Platz)

Zeit: 20.15 Uhr

Kontakt: Dr. Almuth Bruder-Bezzel: Almuth-Bruder-Bezzel[at]gmx.de

und Dr. Uwe Langendorf: uldf[at]gmx.de

Die IPPNW kommt in der Studie »Body Count« zu dem Schluss, dass der sogenannte Krieg gegen Terror bereits in den ersten zehn Jahren 1,3 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Die deutsche Sektion der Organisation »Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung« (IPPNW) veröffentlichte am Freitag, 09. 09. 2016 eine Pressemitteilung zum 15. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001:

Der »Krieg gegen den Terror« hat eine ganze Region ins Chaos gestürzt und einen verheerenden Anstieg von Fluchtbewegungen ausgelöst. Millionen syrischer, irakischer und afghanischer Flüchtlinge sind unmittelbar und mittelbar Leidtragende der Militärinterventionen mit deutscher Beteiligung. Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW fordert die Bundesregierung auf, den sogenannten Krieg gegen den Terror nicht länger zu unterstützen und statt dessen auf Mittel der zivilen Konfliktbearbeitung zu setzen. Deutsche Waffenexporte in die Kriegs- und Krisenregionen müssen endlich gestoppt werden. (…)

Nach Beginn des NATO-Krieges in Afghanistan im Jahr 2002 stieg die Gesamtzahl der Flüchtlinge zum ersten Mal über 40 Millionen. Während des Irak-Krieges kletterte sie auf über 42 Millionen Flüchtlinge. Als Folgen des Libyen- und des Syrien-Krieges stieg die Zahl der Flüchtlinge ab 2011 weiter an. Im Jahr 2016 (bis Juli 2016) haben knapp 200.000 Personen aus Syrien Asyl in Deutschland beantragt. Aus Afghanistan sind es knapp 80.000 Menschen, aus dem Irak knapp 60.000 Menschen.

Zu den Fluchtursachen gehören Hungersnöte, Natur- und Umweltkatastrophen oder der Wegfall von Existenzgrundlagen im Zuge der neoliberalen Globalisierung. Doch die meisten Geflüchteten flohen vor Krieg, gewaltsamen Konflikten und sonstiger Gewalt.

Terror kann nicht mit Krieg bekämpft werden. Die IPPNW kommt in der Studie »Body Count« zu dem Schluss, dass der sogenannte Krieg gegen Terror bereits in den ersten zehn Jahren 1,3 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. (…)

Pressemitteilung der IPPNW

Die IPPNW kommt in der Studie »Body Count« zu dem Schluss, dass der sogenannte Krieg gegen Terror bereits in den ersten zehn Jahren 1,3 Millionen Menschen das Leben gekostet hat

Die deutsche Sektion der Organisation »Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung« (IPPNW) veröffentlichte am Freitag, 09. 09. 2016 eine Pressemitteilung zum 15. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001:

Der »Krieg gegen den Terror« hat eine ganze Region ins Chaos gestürzt und einen verheerenden Anstieg von Fluchtbewegungen ausgelöst. Millionen syrischer, irakischer und afghanischer Flüchtlinge sind unmittelbar und mittelbar Leidtragende der Militärinterventionen mit deutscher Beteiligung. Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW fordert die Bundesregierung auf, den sogenannten Krieg gegen den Terror nicht länger zu unterstützen und statt dessen auf Mittel der zivilen Konfliktbearbeitung zu setzen. Deutsche Waffenexporte in die Kriegs- und Krisenregionen müssen endlich gestoppt werden. (…)

Nach Beginn des NATO-Krieges in Afghanistan im Jahr 2002 stieg die Gesamtzahl der Flüchtlinge zum ersten Mal über 40 Millionen. Während des Irak-Krieges kletterte sie auf über 42 Millionen Flüchtlinge. Als Folgen des Libyen- und des Syrien-Krieges stieg die Zahl der Flüchtlinge ab 2011 weiter an. Im Jahr 2016 (bis Juli 2016) haben knapp 200.000 Personen aus Syrien Asyl in Deutschland beantragt. Aus Afghanistan sind es knapp 80.000 Menschen, aus dem Irak knapp 60.000 Menschen.

Zu den Fluchtursachen gehören Hungersnöte, Natur- und Umweltkatastrophen oder der Wegfall von Existenzgrundlagen im Zuge der neoliberalen Globalisierung. Doch die meisten Geflüchteten flohen vor Krieg, gewaltsamen Konflikten und sonstiger Gewalt.

Terror kann nicht mit Krieg bekämpft werden. Die IPPNW kommt in der Studie »Body Count« zu dem Schluss, dass der sogenannte Krieg gegen Terror bereits in den ersten zehn Jahren 1,3 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. (…)