Call for paper: Migration und Rassismus – Politik der Menschenfeindlichkeit gegen Flüchtlinge

Zusammen mit dem AStA der Freien Universität Berlin plant die NGfP einen Kongress mit dem Titel
“Migration und Rassismus. Politik der Menschenfeindlichkeit gegen Flüchtlinge”
vom 3. bis 6. März 2016 in Berlin.

Beachten Sie hierzu bitte unseren

Call for paper (Einreichungen bis zum 15.9.2015)

Weltweit sind derzeit 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegen, Konflikten oder Verfolgung. Nie zuvor hat der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen so viele Flüchtlinge gezählt. Über 80% von ihnen fliehen aus den Krisengebieten in angrenzende Regionen und Anrainerstaaten. Nur eine Minderheit versucht, Europa zu erreichen. Bei der Flucht nach Europa über das Mittelmeer haben seit dem Jahr 2000 mindestens 23.000 Menschen ihr Leben verloren. 142.000 Flüchtlinge haben von Januar bis Mai in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Doppelt so viele, wie bis Mai des Vorjahres. Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sind zugleich 200.000 Anträge noch nicht bearbeitet.
Dass Menschen auf der Flucht im Mittelmeer massenhaft ertrinken, ist ein humanitärer Skandal. Mit allen Mittel wollen die EU und vor allem Deutschland den Weg nach Europa für Flüchtlinge sperren: Durch Zäune, Mauern, Verschließen der Grenzen oder sogar durch das Versenken der Schiffe, um schon eine Abfahrt aus Afrika zu unterbinden und um den Skandal der großen Zahl von Ertrinkenden aus der Welt zu schaffen.
Viele der Probleme existieren freilich schon seit Jahren oder Jahrzehnten. Die Menschen emigrieren oder müssen fliehen, aus politischen, ökonomischen Gründen, aus unerträglichen Zuständen, aus Angst vor Verhungern, Krieg, Vertreibung und Tod und aus Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben anderswo, außerhalb ihrer Heimat.
Deutschland forderte früher im Süden Einwanderer an, als Arbeitskräfte auf niedrigem sozialen Niveau. Heute kommen diese aus Osteuropa. Das einstige Grundrecht auf politisches Asyl existiert nur mehr auf dem Papier: Nachbarländer gelten als sichere Drittstaaten, in denen in Europa angekommene Flüchtlinge schon ihren Antrag zu stellen haben. Flüchtlinge aus dem Süden kommen illegal, weil Deutschland ihnen die legalen Wege verschlossen hat.
Die Ursachen der Wanderungsbewegungen wurden nie angegangen. Zu sehr sind diese mit den kapitalistischen Interessen des Westens verknüpft: Mit dem Interesse an fügsamen Regierungen und am Zugang zu Rohstoffen in ökonomisch abhängigen Ländern. In Kriegen und Bürgerkriegen, vor denen Menschen in Afrika fliehen, sind westliche Staaten und Unternehmen Waffenlieferanten, Finanziers und auch Kriegspartei. Die Kriege des Westens in Afghanistan und im Irak haben in Syrien und Libyen eine Fortsetzung gefunden. Entstanden ist ein Band der Zerstörungen, ein Gürtel von von Banden beherrschter Gebiete südlich von Europa. Ihm versucht ein Großteil der Flüchtlinge zu entkommen.
Die Toten im Mittelmeer sorgten und sorgen für mediale Aufmerksamkeit. Die Flüchtlinge scheiden in Deutschland die Geister. Einerseits bekommen rassistische Bewegungen neuen Auftrieb. Die Zahl gewalttätiger Aktionen gegen MigrantInnen und Flüchtlinge ist stark gestiegen. Hier entzündet sich das Feuer, das die intellektuellen Brandstifter in Deutschland durch islamophobe Hetze gegen MigrantInnen gelegt haben. Durch die Diskriminierung der schon lange bei uns lebenden MigrantInnen wurde deren Situation wieder mehr zu einem Leben in feindlicher Umgebung und damit deren Integration weiter erschwert.
Andererseits ist die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr bereit, die menschenverachtende Antiflüchtlingspolitik zu tolerieren. Auch Teile der etablierten Medien äußern sich verständnisvoller und vorsichtiger. Kommentatoren fordern ein Ende dieser Politik und mehr Hilfen für Flüchtlinge – meist jedoch, ohne an den Grundlagen zu rütteln. Die Äußerungen des Papstes blieben die Ausnahme.
Die Flüchtlinge, die hier ankommen, sind tief traumatisiert. Sie haben meist in ihren Ländern Entbehrungen, Krankheiten und Tod erlebt, auf dem oft sehr langen Fluchtweg haben sie Not und Ängste durchlitten, und sie erleben schließlich häufig erneute Traumatisierung in Deutschland. Sie brauchen Hilfen auf allen Ebenen, Wohnung, Arbeit, medizinische und psychologische Hilfe.
Die Fragen, die wir mit diesem Kongress stellen und mit Euch/Ihnen diskutieren wollen:

- Krieg, Terror, Diktatur, Korruption, Armut und Hunger vertreiben die Menschen aus ihren Lebenszusammenhängen. Welches sind die gesellschaftlichen Kräfte hinter den Ursachen, welche Rolle spielt die Politik der EU und Deutschlands?
- Welche konkreten Interessen und Motive läßt die Flüchtlinge selbst das Risiko der Flucht eingehen um „etwas Besseres als den Tod“ zu erreichen?
- Wir wollen die Sichtweise der Flüchtlinge und MigrantInnen, ihre Pläne und Hoffnungen ihre Erfahrungen, ihr Erleben, ihre Auseinandersetzungen mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auch durch sie selber zur Darstellung bringen lassen.
- Wie können wir dazu beitragen, ihre politischen Kämpfe und Aktionen wirksam werden zu lassen?
- Was waren die sozialpsychologischen und ökonomischen Voraussetzungen für die Antiflüchtlingspolitik der EU?
- Wie tief reichen diese Voraussetzungen in die Geschichte der europäischen Völker und die Sozialisation der europäischen Menschen hinein?
- Welche Bedeutung kommt dabei der Geschichte des europäischen Kolonialismus und der spezifisch „europäischen Geschichtsschreibung“ als Konstruktion der ausgegrenzten, ausbeutbaren „Anderen“ zu?
- Was können PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, PsychotherapeutInnen, SozialwissenschaftlerInnen zur Erkenntnis und Veränderung dieser Verhältnisse sowie zur Verarbeitung der durch sie hervorgebrachten Leiderfahrungen und Traumatisierungen beitragen?

Wir laden dazu ein, Vorschläge für Kongressbeiträge mit Titel und einer Zusammenfassung von ca. 300 Wörtern und kurzen Angaben zu Ihrer Person bis zum 15.09.2015 an orga2016[at]ngfp.de
zu senden.

Der AStA der Freien Universität Berlin gemeinsam mit der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP)

Den Call for paper finden Sie in pdf-Form hier: AStAFU_NGfP_2016_cfp_Migration_und_Rassismus.pdf

Die NGfP

Die Neue Gesellschaft für Psychologie e.V. ist ein Zusammenschluss von WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen aus der Psychologie und deren Nachbarprofessionen. Ihr gemeinsames Ziel ist die methoden- und gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit psychologischen Themen. Zu diesem Zweck bemüht sich die NGfP um eine fächerübergreifende Zusammenarbeit sowie um die Überwindung der Spaltung von Wissenschaft und Praxis.

Die Zeitschrift der NGfP ist das Journal für Psychologie

No More Torture: World’s Largest Group of Psychologists Bans Role in National Security Interrogations

Wir möchten hinsichtlich des Verhältnisses von APA und Folter auf die hier dargestellte Diskussion hinweisen:

http://www.democracynow.org/2015/8/10/no_more_torture_world_s_largest

Psychoanalyse/Psychotherapie im gesellschaftlichen Kontext

Wir möchten Sie auf das neue Programm für das 2. Halbjahr 2015 der Veranstaltungsreihe zweier NGfP-Mitglieder aufmerksam machen:

Psychoanalyse/Psychotherapie im gesellschaftlichen Kontext

Vortragsreihe zu einer kritischen Reflexion über die gesellschaftliche Verankerung und Verantwortung von Psychotherapie/Psychoanalyse, über gesellschaftliche Bereiche, die uns als praktizierende Psychotherapeuten tangieren.

Unsere nächsten Vorträge im 2. Halbjahr 2015:

Mittwoch 28.10.2015
Prof. Dr. Josef Berghold
Politische und psychologische Widerstände gegen ein Ernstnehmen der Klimakatastrophe

Mittwoch 11.11.2015
Prof. Dr. Karl Josef Pazzini
Über die Ähnlichkeit von Kapitalprozess und Psychoanalyse
Erwägungen aus der Klinik

Mittwoch 2.12.2015
Dr. Knuth Müller
Psychoanalytiker und die »US-Intelligence Community« II
Zur Geschichte einer unerwarteten Liaison am Beispiel der Jahre 1945 bis 1963

Mittwoch 9.12.2015
Dr. Renate Haas
Abspaltungen als Blockaden in der interkulturellen Kommunikation

Ort: Fundus Buchhandlung Knesebeckstr. 20 (nahe Savigny-Platz)

Zeit: 20.15 Uhr

Dr. Almuth Bruder-Bezzel Almuth-Bruder-Bezzel(at)gmx.de und
Dr. Uwe Langendorf uldf(at)gmx.de

»Auf die käufliche Universität sind wir nicht angewiesen«

Wir möchten auf das Interview des 1. Vorsitzenden der NGfP, Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder, mit Ralf Wurzbacher in der Jungen Welt vom 25. Juli 2015 auf Seite 8  unter dem Titel »Auf die käufliche Universität sind wir nicht angewiesen« hinweisen:
InterviewjW25Juli2015.pdf

NGfP-Mitgliederbrief vom 24. Juli 2015 zur weiteren Auseinandersetzung mit der FU Berlin

(Weiter unten steht der Brief als pdf zur Verfügung.)

Berlin, 24. Juli 2015

Liebe Mitglieder, liebe Freunde der NGfP,

Unser nächster Kongress kann trotz widriger Umstände nun doch im März nächsten Jahres stattfinden. „Migration und Rassismus“ lautet das Kongressthema. Wie gewohnt treffen wir uns Anfang März, genauer vom 3. Bis 6. März, in Berlin, allerdings nicht wie bisher in der Freien Universität. Allen Protesten zum Trotz verlangt die FU von uns auch für den nächsten Kongress gut 6.000 Euro für Miete und Technik. Miete an die FU wollen wir aus politischen Gründen nicht zahlen und solche Summen können wir finanziell auf Dauer auch nicht für die Räumlichkeiten unserer Veranstaltungen aufbringen.
Der Vorstand hat allerdings eine günstige Alternative gefunden. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat uns eingeladen, den nächsten Kongress in Ihren Räumen auszurichten. Sie bietet uns ihre Räumlichkeiten kostenlos an. Wir haben im Einladungsflyer zu erwähnen, dass der Kongress von der Stiftung unterstützt wird. Es bleibt ein alleiniger Kongress der NGfP, die weiterhin frei über Inhalte und Ablauf während der drei Tage bestimmt. Ein parteipolitisches Bekenntnis ist mit dem Wechsel der Räumlichkeiten somit nicht verbunden und wird von unserem Gastgeber auch keineswegs verlangt. Klar ist dabei auch, dass die Stiftung uns hilft, weil sie geplanten Kongress zu „Migration und Rassismus“ thematisch für unterstützungswert hält.
Der Vorstand hat kontrovers über einen möglichen Ortswechsel diskutiert. Dabei sprach vor allem der Anspruch der NGfP, die Wissenschaft Psychologie politisch zu wenden und Studierende für diese Haltung zu gewinnen, gegen einen Kongress außerhalb der Universität. Allerdings hätten wir bei einem Verbleib in der FU akzeptieren müssen, dass die Universitätsleitung für kritische Wissenschaft dort längst keinen Platz mehr sieht. Wir hätten Miete zahlen müssen wie viele Verbände, die ein Wochenende lang FU-Räume nutzen. Auch in der Hoffnung, dass sich das studentische Milieu Berlins mittlerweile weit mehr in Mitte, Neukölln oder Friedrichshain zuhause fühlt, als in Dahlem, hat sich der Vorstand dann entschieden, dass großzügige und freundliche Angebot der Rosa-Luxemburg-Stiftung anzunehmen, die schließlich in Berlin-Friedrichshain unweit des Ostbahnhofs beheimatet ist.
Leider heißt das nun auch, dass unsere Proteste gegen die Gebühr von 6.000 Euro, die wir ja schon beim letzten Kongress der Freie Universität zahlen mussten, letztlich erfolgslos geblieben sind. Zur Erinnerung: Die TeilnehmerInnen unseres letzten Kongresses hatten und einen Protestbrief an das Präsidium der FU geschrieben, mit der Bitte, die Mietforderungen zurückzunehmen:
„Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mit großem Befremden vernommen, dass das Präsidium der FU dieser Veranstaltung, der inzwischen 7. der jährlichen Tagungen der NGfP, erstmalig den Status als Lehrveranstaltung und damit die kostenlose Nutzung der Räumlichkeiten der FU verweigert hat.
Erfreulicherweise sind rund die Hälfte der mehr als 150 TeilnehmerInnen der Veranstaltung Studierende, die aufgrund der – trotz dieser finanziellen Mehrbelastung – für sie besonders günstig gehaltenen Tagungsbeiträge die Gelegenheit eines erweiterten Lehrangebots wahrgenommen haben. Gerade sie hatten großes Interesse an der in ihren offiziellen Lehrveranstaltungen unterrepräsentierten Beziehung zwischen psychischen Phänomenen und gesellschaftlichen Bedingungen und wollen sich zukünftig noch aktiver in die Tagungen der NGfP einbringen. Durch das hochkarätige Programm der diesjährigen Tagung hatten die Studierenden darüber hinaus die Gelegenheit, eine große Zahl nationaler und internationaler VertreterInnen unterschiedlicher theoretischer Konzeptionen kennen zu lernen.
Alle TagungsteilnehmerInnen haben mit großem Dank und Anerkennung das hohe Niveau sowohl der Vorträge und Arbeitsgruppen als auch der Diskussionen dieser ausgezeichneten, interdisziplinären und internationalen Tagung gewürdigt. […]
Sollte die FU die Mietforderungen aufrechterhalten, würde dies die Durchführung vergleichbarer Veranstaltungen in Zukunft gefährden. Damit würde die FU dem in ihrem eigenen Selbstverständnis verankerten offiziellen gesellschaftlichen Bildungsauftrag und ihrem Gründungsethos, Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden verpflichtet zu sein, nicht mehr nachkommen. […]
Dies würde einen großen Verlust an kultur- und gesellschaftskritischer Auseinandersetzung an der FU bedeuten und Wissenschaft entgegen den Gründungsgedanken der FU aus ihren gesellschaftlichen Bezügen wieder in den Elfenbeinturm zurück verweisen.
Ein wichtiger Gesichtspunkt der Tagung galt den negativen Auswirkungen neoliberaler Politik auf gesellschaftliche Einrichtungen. Der Verdacht, dass die neue Vorgehensweise der FU auch unter diesem Aspekt zu verstehen ist, sollte vom Präsidium der FU ausgeräumt werden, um der offiziellen Selbstdarstellung ‚daher bleibt die Freie Universität auch im 21. Jahrhundert ihrem Gründungsgedanken treu, indem sie ihn zum Leitfaden ihrer Zukunftsgestaltung macht‘, gerecht zu werden.[…]“
Den in dem Brief angesprochenen Verdacht, dass die FU selbst an der neoliberalen Politik der Ökonomisierung aller Lebensbereiche mitwirkt, hat die Universitätsleitung nicht ausräumen wollen. Sie blieb bei Ihrer Gebührenforderung von rund 6.000 Euro für unseren nächsten Kongress, obwohl wir diesen zwischenzeitlich sogar gemeinsam mit dem AStA der FU und der Fachschaft Psychologie organisieren wollten.
Der Vorstand griff das Angebot des AStA auf, gemeinsam mit der Fachschaft Psychologie den nächsten Kongress durchführen. Die NGfP wollte als Kooperationspartner ihr bisheriges Wissen und Knowhow beisteuern. Doch die Leitung der FU verlangte selbst von AStA und Fachschaft die Gebühren für die Raumnutzung. Das ist ein unerhörtes weiteres Novum in der Geschichte der Universität. Die geplante Zusammenarbeit mit AStA und Fachschaft sollte deutlich machen, dass der Kongress auch ein Bildungsangebot an Studierende der FU ist. Wir müssen konstatieren, dass die Unileitung an von einem kritischen Wissenschaftsverständnis getragenen Bildungsangeboten kein Interesse hat und Sie durch Gebührenforderungen von der Universität fernzuhalten sucht.
Dass der Kongress nun trotzdem zur geplanten Zeit, wenn auch an einem anderen Ort stattfinden kann, verdanken wir der Solidarität der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Wir können der Stiftung an dieser Stelle nur herzlich für ihre großzügige Unterstützung danken. Die Neue Gesellschaft für Psychologie kann mit dieser Unterstützung weiter von einem kritischen, reflektierten Wissenschaftsverständnis getragene Kongresse und Tagungen organisieren, so wie es satzungsgemäß ihre Aufgabe ist.
Wir laden Euch alle zu unserem nächsten Kongress an einem Ort ein, an dem wir willkommen sind.
Der Vorstand der Neuen Gesellschaft für Psychologie
Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Jürgen Voges

Der Brief als pdf: NGfP_Mitgliederbrief_Juli2015.pdf

Torture, Impunity and the American Psychological Association

Wir möchten hinsichtlich des Verhältnisses von APA und Folter auf einen weiteren Kommentar von Amy Goodman und Denis Moynihan hinweisen:

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It has been almost a year since President Barack Obama admitted, “in the immediate aftermath of 9/11, we did some things that were wrong. … we tortured some folks.” The administration of Obama’s predecessor, President George W. Bush, carefully crafted a legal rationale enabling what it called “enhanced interrogation techniques,” which is no more than a euphemism for torture. From the U.S. prison camp in Guantanamo Bay to the dungeons of Abu Ghraib in Iraq and Bagram air base in Afghanistan, countless hundreds, if not thousands, of people were subjected to torture, all in the name of the “Global War on Terror.” With the exception of a few low-level soldiers at Abu Ghraib, not one person has been held accountable. The only high-level person sent to prison over torture was John Kiriakou—not for conducting torture, but for exposing it, as a whistleblower.

http://www.democracynow.org/blog/2015/7/16/torture_impunity_and_the_american_psychological

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CIA/DoD, Folter, American Psychological Association und der “Hoffman-Report”: Ein Berufsverband als Wegbereiter und Unterstützer des DoD/CIA-Folterprogramms der Regierung Bush, Jr.

Wir möchten hier den Kommentar eines unserer ReferentInnen des 2011er Kongresses, Dr. Knuth Müller, zum Zusammenhang von APA und Folter veröffentlichen:

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Nach einem von der American Psychological Association (APA, der weltgrößte Berufsverband für Psychologen mit rund 130.000 Mitgliedern) in Auftrag gegebenen Berichts zur Eruierung möglicher Kollaboration der APA mit militärisch-geheimdienstlichen Regierungsstellen zu urteilen, hat sich die APA durch Veränderungen ihrer Ethikregeln im Jahr 2002 schuldig gemacht, ihren Mitgliedern die Teilnahme an Folterungen, deren Supervision und Effektivitätssteigerung zu ermöglichen.

Durch die Veränderungen an den etischen Prinzipien (insb. 1.02 und 1.03, siehe:http://www2.fapse.ulg.ac.be/documents/code2002.pdf) wurde den an Folterungen teilnehmenden Psychologen die Möglichkeit gegeben, sich auf Befehlsnotstand berufen zu können (“Nuremberg defense”), was Tür und Tor für Folterungen aller Art bot (siehe dazu den CIA-Folterbericht des “Senate Select Committeeon Intelligence” unter: http://www.intelligence.senate.gov/sites/default/files/press/executive-summary_0.pdf).

Der am 02.07.15 von David H. Hoffman, Anwalt des Büros “Sidley Austin LLP” sowie ehemaliger Generalinspekteur und Staatsanwalt der APA überantwortete Bericht (http://www.apa.org/independent-review/APA-FINAL-Report-7.2.15.pdf) bestätigt die seit Jahren gegenüber der APA vorgebrachten Anschuldigungen.

Unmittelbare Folge war der Rücktritt von zunächst vier obersten APA-Funktionären, darunter auch der langjährige Direktor des – man glaubt es kaum – APA-Ethikbüros, Dr. Stephen H. Behnke, einer Schlüsselfigur in der Anbiederung der APA an das DoD/CIA-Folterkonsortium.

Der Hoffman-Report hat, seit dem er am 10.07.2015 der weltweiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, einen internationalen Sturm der Entrüstung hervorgerufen (siehe Google-Ergebnisse). Ausgeblieben sind bisher die Reaktionen bundesdeutscher Berufsfachverbände mit Ausnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs, siehe http://www.dgps.de/index.php?id=143&tx_ttnews[tt_news]=1619&cHash=9591dd3bbec1081ae85f31149232077f).

Der 542-Seiten umfassende Hoffman-Report stellt ein Lehrstück innerorganisatorischer Auswüchse von Macht, Gier, Geltungssucht, Überheblichkeit, ausufernden Patriotismus, Nationalismus, Sexismus und Rassismus bei sogenannten Helfer*innen dar, das, wenn unbeachtet, die Gefahr einer Wiederholung bietet.

Welche Rolle auch Psychoanalytiker*innen und ihre Berufsverbände in der Entstehung von militärisch-geheimdienstlichen Verbindungen von psychoanalytischen Fachgesellschaften, sowie der Entwicklung, Beforschung, Implementierung und Evaluation moderner CIA/DoD-Foltertechniken spiel(t)en, wird Gegenstand eines im Dezember diesen Jahres erscheinenden Buches sein (siehe Herbst-Katalog des Psychosozial-Verlags).

Dr. Knuth Müller

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DGPs-Vorstand zu Rolle der APA bei Verhörtechniken des CIA

Wir möchten auf eine Email der Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie hinweisen, die auch wir begrüßen, und veröffentlichen sie hier:

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Sehr geehrte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der DGPs,

die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat mit tiefer Enttäuschung zur Kenntnis genommen und bedauert sehr, dass die APA die Beteiligung von Mitgliedern an Folterprogrammen der CIA gestützt und gedeckt hat.

Entsprechend ihrer ethischen Grundsätze lehnt die DGPs jede Folter und sonstige Schädigung anderer Menschen ab und distanziert sich von derartigem Missbrauch psychologisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die DGPs begrüßt die am 10. Juli 2015 von der APA veröffentlichte Entschuldigung als einen wichtigen Schritt im Zuge der Aufklärung der Ereignisse.

Bereits im Jahr 2009 wurde in der Psychologischen Rundschau ein Artikel von Prof. Rainer Mausfeld (Kiel) veröffentlicht, in dem dieser sich kritisch mit den Methoden “Weißer Folter” und der Rolle von Wissenschaftlern auseinandergesetzt hatte. Der Beitrag kann hier abgerufen werden:
http://www.uni-kiel.de/psychologie/psychophysik/mausfeld/Mausfeld_Psychologie%20%27weisse%20Folter%27%20und%20die%20Verantwortlichkeit%20von%20Wissenschaftlern_2009.pdf

Die APA hatte im November 2014 den Anwalt David Hoffman von der Anwaltskanzlei Sidley Austin beauftragt, ein unabhängiges Gutachten zu den erhobenen Vorwürfen zu erstellen. Die Schlussfolgerungen des Gutachters sind laut APA-Vertretern in höchstem Maße verheerend. So geht unter anderem aus dem Gutachten hervor, dass es verschiedentlich geheime Absprachen zwischen APA-Mitgliedern und dem Verteidigungsministerium gegeben hat und dass APA-Psychologen mithalfen, die abusiven Verhörmethoden zu ermöglichen (http://www.apa.org/independent-review/index.aspx).

Am 10. Juli 2015 veröffentlichte die APA ein offizielles Statement zum Hoffman Report sowie eine öffentliche Entschuldigung für die Vorfälle (http://www.apa.org/news/press/releases/2015/07/independent-review-release.aspx).

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm

Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

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Beschwerde über die Art der Griechenland-Berichterstattung des ZDF

Wir möchten Sie auf eine Beschwerde über die Art der Griechenland-Berichterstattung des ZDF von Frau Dr. Mechthild Klingenburg-Vogel hinweisen, die sie am 10.07.2015 an zuschauerredaktion@zdf.de geschickt hat, und hier veröffentlichen. Frau Klingenburg-Vogel ist eine mit der NGfP assoziierte Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalyse, sie ist auch Referentin auf dem letzten Kongress der NGfP zum Thema Krieg gewesen.

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Sehr geehrte Damen und Herren!
Zunächst einmal: Es bedurfte einiger Suche im Internet, bis ich die e-mail-Adressen für Zuschauerbeschwerden herausfand. Das spricht nicht gerade für Ihr Interesse an Zuschauer-Rückmeldungen!
Nun zu meinem Anliegen:
Ich finde den Ton der Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen, also von unseren Steuergeldern bezahlten Medien allmählich so unerträglich, dass ich hiermit ernst eine kritische Überprüfung Ihrerseits anmahnen möchte.
Das “Fass zum Überlaufen” brachte eine Art Glosse im ZDF-Nachtmagazin in der Nacht vom 6. zum 7.7.15, in der der Rücktritt des griechischen Finanzministers Varoufakis mit derarftiger Häme kommentiert wurde, dass die Grenzen des Erträglichen massiv überschritten wurden.
Als Psychoanalytikerin habe ich mich intensiver mit der Rolle der Medien bei der Einstimmung der Bevölkerung auf einen aggressiven/Kriegskurs beschäftigt. Mit Erschrecken registriere ich in der Ukraine- und in der Griechenlandkrise, mit welch aggressiver, auf Feindbild-Mechanismen rekurrierende Art die Berichterstattung primitiviert und degeniert ist. Das grenzte öfter schon daran, Stammtisch-Niveau zu bedienen.
Als öffentlich-rechthliche Institutionen haben Sie nicht nur die Verpflichtung zu objektiver und kritischer Berichterstattung, sondern Sie stehen auch in großer Verantwortung, die zunehmende Aggressivierung unseres Zusammenlebens infolge der rücksichtslosen neoliberalen Wirtschaftspolitik, die ich über das Leiden meiner Patienten erlebe, nicht noch voran zu treiben und aggressiv-emotionalisierendes Öl in diese Stimmung des Nach-Unten-Tretens zu gießen.
Ihrer Antwort gespannt entgegensehend
verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
M. Klingenburg-Vogel

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Neue Ausgabe des Journal für Psychologie (1/2015) erschienen

Journal für Psychologie
Jahrgang 23, Ausgabe 1 (2015): “Theorie und Praxis einer kritischen Gerontologie”
(hrsg. von Irene Strasser &  Susanne Ogris)
http://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/issue/view/46


Die vorliegende Schwerpunktausgabe zu kritisch-gerontologischen Ansätzen will einen kritischen und interdisziplinären, vom Mainstream gerontologischer und geriatrischer Betrachtungsweisen abweichenden Blick auf das Thema Alter(n), die damit verbundenen (Selbst‑)Zuschreibungen, gesellschaftlichen Haltungen und die Haltungen der im Gesundheitsbereich tätigen Professionen werfen.

Im Rahmen der hier vertretenen Beiträge werden mehrere unterschiedliche Themenbereiche aus der Sicht verschiedenster Professionen und wissenschaftliche Standpunkte theoretisch und/oder praxisbezogen verhandelt.

INHALT

Irene Strasser, Susanne Ogris: Editorial zum Themenheft “Beiträge zu Theorie und Praxis einer kritischen Gerontologie”
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/363

Helga Pelizaeus-Hoffmeister: Altersbilder als gesellschaftliche Konstruktionen im Kontext von (Un-)Sicherheit
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/297

Judith Rossow, Amei Koll-Stobbe: Diskursive Konstruktionen und Reflektionen von Altersbildern – Ein Blick auf Sprache und Interaktionsnormen
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/339

Alexandra Grillitsch, Brigitte Jenull: 50+ und der Traum vom jugendlichen Aussehen
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/336

Juliane Noack Napoles: Der Einfluss des Alters auf Altersbilder am Beispiel der Arbeiten Erik H. Eriksons
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/331

Marie-Luise Hermann: Das Alter(n) hat viele Gesichter
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/329

Kerstin Kammerer, Katrin Falk, Josefine Heusinger: Die Bedeutung von Altersbildern für den Zugang älterer Menschen zu Psychotherapie. Stand der Forschung und Leerstellen
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/333

Regula Blaser, Stefanie Becker, Daniela Wittwer, Jeanne Berset: Kitwood reconsidered: Personenzentrierung und die Haltung Pflegender im Umgang mit Menschen mit Demenz
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/332

Susanne Frewer-Graumann, Sabine Schäper: Die unsichtbaren Alten – Bilder über das Altern von Menschen mit lebenslanger Behinderung
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/342

Carolin Kollewe: “Nothing about us without us”? – Partizipative Forschung und Beteiligungsformen alter Menschen am Beispiel Großbritannien
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/343