Pressemitteilung/Medieneinladung

Anlässlichs des bald stattfindenden Kongress „Migration und Rassismus. Politik der Menschenfeindlichkeit“ gibt die NGfP folgende Pressemitteilung bzw. Medieneinladung heraus:

„Migration und Rassismus. Politik der Menschenfeindlichkeit“

Als die Neue Gesellschaft für Psychologie Anfang 2015 die Migration nach Deutschland und rassistische Angriffe gegen Migranten als Thema ihres Jahreskongresses 2016 gewählt hat, war nicht absehbar, dass die sogenannte „Flüchtlingskrise“ in der Zeit des Kongresses bestimmendes Thema in Nachrichten, Talkshows und in politischer Berichterstattung sein würde. Danach begrüßten viele Bundesbürger zunächst die vor Krieg, Bürgerkrieg und Elend in Deutschland Schutz Suchenden. Doch mittlerweile dreht sich die politische Debatte nur darum, mit welchen Gesetzesänderungen oder Maßnahmen der In- und Außenpolitik man Schutzsuchende am effektivsten von Deutschland fernhalten kann. Unser Kongress, zu dem wir Vertreterinnen und Vertreter der Medien herzlich einladen, bietet jetzt Zeit, Inne zu halten, zu sortieren, abzuwägen: Zeit für eine Aufarbeitung des bisher Geschehenen und der bisherigen Strategien und Vorschläge.
Die Neue Gesellschaft für Psychologie ist wie keine zweite Wissenschaftsgesellschaft prädestiniert für einen Kongress zum Thema Migration und Rassismus. Sie hat sich durch ihre Kongresse der vorangegangenen Jahre zu den Themen der gesellschaftlichen Verantwortung der Psychologie und der Sozialwissenschaften, ein solides Fundament kritischer Theorie geschaffen und für ihre Arbeit einen großen Kreis international ausgewiesener Experten gewonnen, der auch jüngere Wissenschaftler und Wissenschaftliche Nachwuchskräfte anzieht.
Die Themen des diesjährigen Kongresses reichen von den Hintergründen und Ursachen der Flucht bis hin zu den Folgen für die die Flüchtenden aufnehmende Bevölkerung, von Formen der Diskriminierung bis zu den Wurzeln des gegenwärtigen Rassismus, von den Solidaritätsbewegungen bis zur Praxis der Hilfen und deren Reflexion.
Diese Spannbreite interdisziplinärer Forschung von Psychologie als therapeutische Hilfe bis zur gesellschaftskritischen Reflexion, unter Hinzuziehung einer ganzen Reihe von Nachbardisziplinen, wie Soziologie, Ethnologie, Geschichts-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Medientheorie und politische Wissenschaft hat sich bei den bisherigen Kongressen der Neuen Gesellschaft für Psychologie als äußerst fruchtbar und anregend erwiesen.
Von dieser Kooperation erhoffen wir uns auch viel beim aktuellen Kongress. Er bearbeitet ein Thema, bei dem es noch keine fertigen, oder auch nur brauchbaren Lösungen gibt. Lösungen, die die Not der Schutzsuchenden lindern und die Ängste, Befürchtungen und Ressourcen der Bevölkerung angemessen reflektiert. Die Befürchtungen einer Bevölkerung, die bereit ist, die Geflüchteten aufzunehmen, sich aber überhaupt nicht sicher ist, ob „wir das schaffen“.
Der vom 3.-6. März in Berlin stattfindende Kongress „Migration und Rassismus. Politik der Menschenfeindlichkeit“ greift diese beiden Seiten auf, analysiert die politische und wissenschaftliche Diskussion, kritisiert die vielen Maßnahmen gegen Migration, die letztlich Flüchtlinge nicht von ihrer Flucht abhalten können, sondern diese nur noch gefährlicher für das Leben und die Gesundheit der Geflüchteten machen. Damit schließt sich der Kongress der scharfen Kritik des UNHCR und von Amnesty International an der chaotischen und restriktiven Flüchtlingspolitik europäischer Länder an. Zugleich nimmt er die Ängste und Befürchtungen ernst, ob das zu schaffen ist, welche Herausforderungen damit für die Menschen, Helfer, aber eben auch Psychotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeiter einhergehen.
Beim Kongress werden der deutsch-persische Schriftsteller, und Historiker Bahman Nirumand und weitere Fachvertreter als Referenten auf Fluchtursachen eingehen. Auf dem Programm stehen Vorträge über die psychotherapeutische Arbeit mit Geflüchteten, die unter Posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen oder anderen Erkrankungen leiden. Die Referenten sind nicht nur Fachleute auf dem Gebiet der Psychotherapie, Psychologie oder Pädagogik; sie sind auch politisch Mitdenkende, die aufmerksam Prozesse in der Gesellschaft über ihren Fachbereich hinaus beobachten und reflektieren. So wird einer der Psychoanalytiker auch über den Konflikt sprechen, ob man Patienten mit Migrationshintergrund an einem bestimmten Punkt der Behandlung eher in ihrer Herkunftskultur oder in den Prozessen zur Anpassung an die hiesige Kultur unterstützen sollte.
Ein Panel des Kongresses wird sich dem Rassismus im Alltag zuwenden, ein anderes den Folgen des Kolonialismus im Kontext mit heutigen Migrationsbewegungen. Junge Wissenschaftlerinnen steuern aus ihrer aktuellen Forschungsarbeit Erkenntnisse zur Bewältigung rassistischer Gewalt bei. In einem anderen Beitrag geht es um Erzählen und Schweigen in der Institution Asyl – von der Anhörung beim Bundesamt für Migration bis zum lebendigen Gedankenaustausch in Selbstorganisationen.
Insgesamt werden mehr als 30 Referenten aus Wissenschaft und Praxis beim Kongress sprechen. Dieser ist wie immer bei der NGfP interdisziplinär. Das erlaubt der eigenen Profession den Blick über den Tellerrand der Psychologie und gestattet u.a. Politologen, Historikern, Ethnologen umgekehrt Einblick in Forschung und Praxis von Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiatern.
Veranstalter des Kongresses sind die Neue Gesellschaft für Psychologie (NGfP) und der AStA der Freien Universität Berlin. Mehr Informationen unter:
https://www.ngfp.de/wp-content/uploads/2015/12/MuR_Ankuendigungsflyer_21122015.pdf
https://www.ngfp.de/wp-content/uploads/2016/02/NGfP2016_MuR_Programm.pdf
Der Kongress findet vom 3. bis 6 März 2016 in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin, Franz-Mehring-Platz 1 in 10243 Berlin statt.

„Wir kommen, weil Ihr da ward“ – Interview zum Kongress „Migration und Rassismus“

Wir möchten Sie auf folgenden Artikel hinweisen, der im Vorfeld des Kongresses veröffentlicht wurde:

„Wir kommen, weil Ihr da ward“
Interview mit Dr. Christoph Bialluch, stellvertretender Vorsitzender der NGfP

Erschienen in der „Jungen Welt“ am 25. Februar 2016: https://www.jungewelt.de/2016/02-25/012.php

Alle reden über Flüchtlinge. Wieso auch Sie bei dem bevorstehenden Kongress?
Wir bauen damit eine inhaltliche Brücke vom Kongress 2015 in die Gegenwart. Seinerzeit lag der Fokus darauf, mit welchen Mitteln und Methoden die Politik die Zustimmung zu militärischen Operationen herbeigeführt hat, obwohl in der Bevölkerung große Vorbehalte existierten. Diesmal ist es die Flüchtlingsproblematik, für die aus unserer Sicht genau diese militärischen Interventionen und Kriege in Syrien und Libyen sowie weiteren Ländern verantwortlich sind. Die direkte und indirekte Beteiligung Deutschlands und Europas an diesen Interventionen und damit die Mitverantwortung für die daraus entstandene Krise ist in der öffentlichen Diskussion noch weit unterrepräsentiert, wird von Politikern genauso wie von den meisten Medien nicht genug reflektiert. Wir konnten u.a. den Historiker und Konfliktforscher Kurt Gritsch zu diesem Punkt gewinnen.
Die Fluchtursachen konkret zu benennen hilft aber nicht den Flüchtlingsstrom zu stoppen.
Nein, aber es ist dennoch notwendige Voraussetzung für einen Politik-Wechsel. Die Politik des Regime-Change durch Intervention oder durch die Unterstützung einer dem Westen genehmen Opposition hat weder im Irak noch in Libyen oder Syrien irgendetwas Positives für die dortige Bevölkerung gebracht, sondern letztlich Konflikte bis an den Rand eines Weltkrieges ausgelöst. Wenn Politiker die Bekämpfung der Fluchtursachen als eines ihrer Ziele benennen, ist das nichts als eine Worthülse und meint jedenfalls keinen Politikwechsel. Es wird ja bereits wieder erwogen, in Libyen militärisch einzugreifen. So produziert der Westen nur neue Flüchtlingsströme. Es macht betroffen, dass diese Politik nicht viel mehr Kritiker auf den Plan ruft. Was wir an Denkanstößen beim Kongress dazu beitragen können, das werden wir tun.
Sehen Sie weitere Informationslücken, in die der Kongress vorstoßen kann?
Unbedingt. Prof. Elisabeth Rohr wird versuchen, aus ihren Forschungen in Lateinamerika pädagogische und psychische Betreuungsansätze für die ca. 60.000 unbegleiteten Kinder und Jugendlichen abzuleiten, die seit 2014 nach Deutschland gekommen sind und von der Politik entweder als ein lästiger zusätzlicher Kostenfaktor oder unter dem Aspekt des drohenden Familiennachzugs gesehen werden. Wir werden auch Teilnehmer beim Kongress haben, die mit diesen Kindern arbeiten. Therapeuten stehen in diesem Kontext vor einer völlig neuen Herausforderung, u.a. weil sie nicht nur in ihrer therapeutischen Rolle, sondern auch noch als Sozialarbeiter und eine Art Kulturvermittler gefordert sind.
Auch um die schamhaft verschwiegenen skandalösen Passagen im Asylpaket II zu psychischen Erkrankungen wird es gehen. Boris Friele vom Behandlungszentrum für Folteropfer und andere Psychotherapeuten (siehe Beitrag unten) werden darauf eingehen. Uwe Langendorf vom C. G. Jung-Institut Berlin befasst sich vor allem mit der Unbegreiflichkeit der traumatischen Migration, die sich unserer Vorstellung verweigert. „Es setzt etwas wie eine partielle Blindheit ein, sowohl im Blick auf die jetzige Welt als auch auf unsere Geschichte“, sagt er.
Was bedeutet das?
Wir ahnen eine Welle von bestimmten Traumatisierungen, für die unser Vokabular und Instrumentarium noch nicht ausreichen. Individuell wie gesellschaftlich gibt es eine Blindheit, oder nennen wir es Abwehrhaltung, diese Welle zu sehen; die Größe der Aufgabe macht Angst. Es muss angenommen werden, dass einige der Flüchtlinge so stark traumatisiert sind, dass sie in eine starke eigene Pathologie oder in Gewalthandlungen gehen könnten. Noch gibt es keine ausreichenden Kenntnisse, wie damit umzugehen ist. Als Veranstalter wünschen wir uns, der Kongress könnte dazu anstiften, interessierte Kreise für diese Aufgabe zu bilden.
Jetzt sprechen Sie über Ängste fast so wie manche Politiker.
Die Ängste sind da und zum Teil berechtigt. Die Antwort darauf können aber nicht Grenzschließungen, militärische Lösungen, Abwehr und Zurückweisung von Flüchtlingen sein. Es genügt auch nicht sie willkommen zu heißen. Wir müssen damit rechnen, dass bei einer so großen Zahl von Menschen, die zu uns kommen, schwer Traumatisierte, auch Kriminelle, usw. dabei sein werden. Wenn wir die Realitäten sehen, uns mit ihnen befassen, statt sie zu leugnen, werden wir leichter damit fertig werden – eine alte psychotherapeutische Weisheit.
Gehört zu der von Ihnen erwähnten Blindheit gegenüber der Geschichte auch die Verleugnung von Kolonialismus und postkolonialer wirtschaftlicher Ausbeutung als eine weitere Fluchtursache?
Momentan wird vor allem über Flüchtlinge aus dem arabischen Raum berichtet. Doch wir vergessen die aus Afrika nicht. Sie sind die Kindeskinder einstiger kolonialer Untertanen und formulieren zu Recht in einer Protestlosung „Wir sind hier, weil ihr da ward“. Eva König-Werner, die zurzeit Flüchtlinge aus Eritrea betreut, wird dazu sprechen. Andere Teilnehmer werden darauf eingehen, wie zivilgesellschaftliches Engagement zur Kompensation für fehlende politische Rahmenbedingungen herhalten muss und was das mit Helfern und Betreuern macht.
Bietet der Kongress Lösungen an Stellen, an denen die Regierung sie nicht hat?
Unsere Kongresse gehören zu denen, die vordergründig nichts nützen. Sie bringen keine Creditpoints, schulen nicht in einer später anzuwendenden Technik und helfen nicht auf der Karriereleiter. Umso mehr freue ich mich darüber, wie viele junge Referenten trotz Etablierungsdrucks in ihren eigenen Professionen den Weg zu uns gefunden haben. Unsere Intention besteht darin, für eine kurze Zeit Menschen sehr unterschiedlicher Professionen zusammenzuführen – vom Piloten der Bundeswehr bis zur Psychotherapeutin, von der Soziologin bis zum Pfarrer – und gemeinsam die Expertise für das Migrationsthema zu entwickeln, die auf längere Sicht in Deutschland dringend gebraucht wird.
Das Gespräch führte Christa Schaffmann.

Einwände missachtet – Asylpaket II: Regierung verweigert psychisch kranken Flüchtlingen eine Behandlung

Wir möchten Sie auf folgenden Artikel hinweisen, der im Vorfeld des Kongresses veröffentlicht wurde:

Erschienen in der „Jungen Welt“ am 25. Februar 2016: https://www.jungewelt.de/2016/02-25/013.php

Einwände missachtet

Asylpaket II: Regierung verweigert psychisch kranken Flüchtlingen eine Behandlung

von Christa Schaffmann

Der Gesetzentwurf für das Asylpaket II steht vor seiner Verabschiedung im Parlament. Einwände von Experten wurden schlicht missachtet. Sie fielen dem erklärten Ziel zum Opfer, so viele Flüchtlinge wie möglich so rasch wie möglich abschieben zu können. Dem vorliegenden Gesetzentwurf zufolge ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) keine „schwerwiegende Erkrankung“. Für die Diplompsychologin und Psychotherapeutin Michaela M. Müller, die in ihrer Münchner Praxis zu 80 Prozent Migranten behandelt,ist das ein Skandal. Sie kann nicht verstehen, wieso dieselbe Regierung, die für ihre bei Auslandseinsätzen traumatisierten und später erkrankten Soldaten eine Sondervereinbarung zwischen Bundeswehr und BPtK angestrengt hat, um eine gute, zeitnahe Behandlung zu ermöglichen, die gleiche Erkrankung bei Flüchtlingen für nicht schwerwiegend hält. Ertragen Flüchtlinge PTBS besser oder hält man sie womöglich für weniger wert – für Menschen zweiter Klasse? Müller kritisiert auch die im Gesetzentwurf vorgesehene Regelung, nach der Flüchtlinge binnen einer Woche alle Untersuchungen absolviert und Gutachten eingeholt haben sollen, die eine mögliche psychische Erkrankung belegen. „Das ist unmöglich. Viele Flüchtlinge haben Symptome, die sie aber nicht zuordnen können, auch, weil sie in der eigenen Sprache keinen Namen für diese Krankheit kennen.“ Auch die seit langem geltenden Standards für eine qualifizierte Diagnostik sowie der Aufwand für die Erstellung von Gutachten machen den Zeitplan der Regierung völlig illusorisch. Vielleicht soll er das ja sein und damit den Weg zur raschen Abschiebung frei machen. Genau wie die im Gesetzentwurf erhobene Behauptung, PTBS sei nur schwer überprüfbar und nicht sicher diagnostizierbar. „In Wahrheit“, so Michaela M. Müller, „gibt es genaue Diagnosekriterien seit langer Zeit! Und Fachleute sind sehr wohl zu einer solchen Diagnose in der Lage; allerdings nicht im Eilverfahren.“

Kraft schöpft die Psychotherapeutin aus den Erfolgen ihrer Arbeit. Die Freude darüber wird im therapeutischen Alltag oft überschattet von dem Wissen, dass Heilung für eine ganze Reihe von Patienten schon heute Abschiebung bedeutet. Die Behörden warten nur darauf, dass jemand „reisefähig“ geschrieben und in vielen Fällen so einem erneuten Trauma ausgesetzt wird. Eine unsägliche Situation nennt Michaela Müller diesen Umstand. Für viele psychisch Kranken wird es in Zukunft durch das Asylpaket II aber erst gar keine Behandlung mehr geben. Ein schwer traumatisierter ehemaliger Kindersoldat, den sie insgesamt drei Jahre behandelte, wird dann keine Chance mehr haben. „Jahrelang war er unter Zwang und manchmal unter Drogen an schrecklichen Verbrechen beteiligt oder musste dabei zuschauen. Man zwang ihn und andere Kinder, nachts frische Leichen auf dem Friedhof auszugraben und ihnen zu ‚Schulungszwecken‘ die Bäuche aufzuschlitzen.“ Inzwischen hat er eine Partnerin, ist Vater eines kleinen Jungen, hat Deutsch gelernt und beginnt demnächst eine Lehre. – Nach dem neuen Gesetz ist das, woran er litt, keine schwere Erkrankung mehr und ließe eine rasche Abschiebung zu.

Michaela M. Müller wird ihre Arbeit in einem Vortrag auf dem Kongress „Migration und Rassismus“ vorstellen.

 

 

Darstellung der NGfP in der „jungen Welt“

Wir möchten Sie auf folgende Darstellung der NGfP hinweisen, die im Vorfeld des Kongresses veröffentlicht wurde:

Erschienen in der „Jungen Welt“ am 25. Februar 2016: https://www.jungewelt.de/2016/02-25/012.php

Die NGfP – humanistisch und deshalb kapitalismuskritisch

Die Neue Gesellschaft für Psychologie (NGfP) entstand nicht zufällig 1991. Ihre damaligen GründerIinnen wollten ein sozial-, kultur- und geisteswissenschaftliches Gegengewicht zu jenen Strömungen der Psychologie schaffen, welche hauptsächlich an naturwissenschaftlichen Denkmodellen und Forschungsmethoden orientiert sind. In der Praxis schloss das von Anfang an eine kritische Sicht auf politische Entscheidungen und Entwicklungen ein.
Sie konnte dennoch nicht verhindern, dass nicht nur infolge des Bologna-Prozesses zwar immer mehr Studienangebote auch auf dem Feld der Psychologie entstanden, die psychologische Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse aber weiter zurückgedrängt wurde. Die Dominanz der Klinischen Psychologie zuungunsten anderer Felder ist nicht zu übersehen. Und dort, wo Sozialpsychologie noch gelehrt wird, verschmilzt sie nicht selten mit Wirtschaftspsychologie, wodurch Gegenstand und Zielrichtung sich verändern.
Die NGfP stellt dieser Entwicklung öffentlich sichtbar vor allem ihre Kongresse und andere Veranstaltungen entgegen. In den zurückliegenden Jahren ist sie u.a. durch Kongresse wie „Krieg um Köpfe. Der Diskurs der Verantwortungsübernahme“ 2015, „Sozialpsychologie des Kapitalismus – heute“ 2012 und „Macht – Kontrolle – Evidenz. Psychologische Praxis und Theorie in den gesellschaftlichen Veränderungen“ 2011 aufgefallen. Ihre Kongresse sind immer interdisziplinär, erlauben der eigenen Profession den Blick über den Tellerrand der Psychologie und gestatten u.a. Politologen, Historikern, Ethnologen umgekehrt Einblick in Forschung und Praxis der eigenen Profession. In diesem Jahr lädt sie ein, mit über 30 Referenten aus Wissenschaft und Praxis über das Thema „Migration und Rassismus. Politik der Menschenfeindlichkeit“ zu diskutieren.
Den wissenschaftlichen Austausch pflegt die NGfP nicht nur bei Veranstaltungen sondern auch in ihrem seit 1991 bestehenden „Journal für Psychologie“. Dort wie bei gesellschaftlichen und fachpolitischen Diskursen sowie hochschul- und wissenschaftspolitischen Entscheidungen erweist sie sich stets als ein streitbarer Vertreter ihrer Profession.

Artikel zum Kongress „Migration und Rassismus“ der NGfP vom 3. bis 6. März 2016

Wir möchten Sie auf verschiedene Artikel hinweisen, die im Vorfeld des Kongresses entstanden sind:

Unverstandenes Leid – Unbegleitete Kinder und Jugendliche am Ziel einer langen Flucht
http://www.schattenblick.de/infopool/sozial/report/sorb0034.html

Bitterernste Rollenspiele – Flüchtlinge in der Situation von Prüflingen, Unterhaltern und politischen Akteuren
http://www.schattenblick.de/infopool/sozial/report/sorb0035.html

Gewalt ist nicht gleich Gewalt – „Hate Crime“ und die daraus erwachsenden schweren langanhaltenden Belastungssymptome
http://www.schattenblick.de/infopool/sozial/report/sori0037.html

Die Artikel können Sie auch in der PDF-Schattenblick-Druckausgabe finden unter:
http://www.schattenblick.de/da/2016/02/sb_160227_schattenblick_druckausgabe.pdf

Psychoanalyse/Psychotherapie im gesellschaftlichen Kontext

Wir möchten Sie auf das neue Programm für das 1. Halbjahr 2016 der Veranstaltungsreihe zweier NGfP-Mitglieder aufmerksam machen:

Psychoanalyse/Psychotherapie im gesellschaftlichen Kontext

Vortragsreihe zu einer kritischen Reflexion über die gesellschaftliche Verankerung und Verantwortung von Psychotherapie/Psychoanalyse, über gesellschaftliche Bereiche, die uns als praktizierende Psychotherapeuten tangieren.

Unsere nächsten Vorträge im 1. Halbjahr 2016:

Mittwoch 06.04.2016

PD Dr. Christoph Seidler
Soldatenmatrix.
Wie der Krieg Empathie, Schuld- und Schamgefühle korrumpiert.
Mittwoch 25.05.2016

Dr. Dieter Lehmkuhl
Is psychiatry for sale?
Zum Einfluss der pharmazeutischen Industrie auf die Psychiatrie als Wissenschaft und Praxis.
Mittwoch 15.06.2016

Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini
Il n`y a pas de rapport sexuel (Lacan).
Zum gesellschaftlichen Funktionswandel der Pornographie.
Mittwoch 29.06.2016

Prof. Dr. Martin Kronauer
Diskurs über Armut.
Arme im politischen Diskurs. Abgrenzung, Aktivierung, Erziehung, Bestrafung.

 

Ort: Fundus Buchhandlung Knesebeckstr. 20 (nahe Savigny-Platz)

Zeit: 20.15 Uhr

Dr. Almuth Bruder-Bezzel Almuth-Bruder-Bezzel(at)gmx.de und
Dr. Uwe Langendorf uldf(at)gmx.de

 

„Migration und Rassismus. Polititk der Menschenfeindlichkeit“ – Kongress der NGfP im März 2016

„Migration und Rassismus. Politik der Menschenfeindlichkeit“

Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie
und des AStA der Freien Universität Berlin
vom 3. bis 6. März 2016
mit Unterstützung und in den Räumen der Rosa-Luxemburg Stiftung in Berlin

Wir sehen Bilder von überfüllten und sinkenden Booten auf dem Mittelmeer, Bilder vom Elend der Menschen an Grenzzäunen, von provisorischen Massenquartieren. Die Menschen emigrieren oder müssen fliehen und überall wird über ihr Schicksal debattiert. Die Ursachen der Wanderungsbewegungen werden immer wieder ausgeblendet. Zu sehr sind diese mit den kapitalistischen Interessen des Westens verknüpft. In Deutschland bekommen rassistische Bewegungen neuen Auftrieb. Die Zahl gewalttätiger Aktionen gegen MigrantInnen und Geflüchtete ist erschreckend angestiegen. Gleichzeitig sind immer größere Teile der Bevölkerung nicht mehr bereit diese Menschenverachtung hinzunehmen. Der diesjährige Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) nähert sich diesem Spannungsfeld von „Migration und Rassismus“. Hier werden die Fluchtgründe beleuchtet wie auch die Umstände, die bei der Ankunft in Deutschland herrschen, die damit verbundene Solidaritätsbewegung sowie Konzepte, wie Traumatisierten geholfen werden kann. Ebenso geht es um die Hintergründe der derzeitigen „Politik der Menschenfeindlichkeit“ gegen Schutz- und Asylysuchende, die Kolonisierung als Wurzel aktueller Geschehnisse, Formen der Diskriminierung und gegenwärtigen Rassismus.

Das aktuelle Programm mit den Informationen zur Anmeldung: NGfP2016_MuR_Programm.pdf