Neue Ausgabe des Journal für Psychologie erschienen

Heft 2/2017: Kritische Männerarbeit: Positionen, aktuelle Entwicklungen und psychosoziale Praxis

Herausgegeben von Ulrich Krainz, Irene Strasser und Manfred Buchner

Vergeschlechtlichte Erfahrungs- und Erlebniszusammenhänge zu analysieren und ihre Auswirkungen auf die jeweilige soziale Praxis zu reflektieren stellt mittlerweile einen zentralen Ausgangspunkt für die professionelle Arbeit in vielen Berufsfeldern dar. Nach wie vor sind dabei allerdings männerspezifische Ansätze und Zugänge oder eine systematische Beschäftigung mit den Lebenslagen und in sich widersprüchlichen und unterschiedlichen Lebenserfahrungen von (jugendlichen und erwachsenen) Männern eher die Ausnahme. In dieser Ausgabe des Journal für Psychologie versammeln sich Beiträge, die sich diesem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln annähern. Es finden sich sowohl Beiträgen Berufs-Wissenschafter_innen als auch von Praktiker_innen, die in ihren unterschiedlichen Arbeitsfeldern mit heranwachsenden und/oder erwachsenen Männern zu tun haben und diese Erfahrungen theoretisch-reflexiv einordnen.

Beitragende:  Romeo Bissuti, Harry Friebel, Sebastian Lehofer, Manuel Mayrl, Elli Scambor, Gerd Stecklina, Michael Tunç, Bernhard Weidinger, Katharina Werner, Jan Wienforth.

Die Ausgabe ist Open Access abrufbar unter

https://www.journal-fuer-psychologie.de

–>Direkt-Link: https://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/issue/view/51

–>Zur Print-on-Demand-Ausgabe https://www.psychosozial-verlag.de/8216

Zurückliegende Ausgaben des JfP finden sich unter:

http://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/issue/archive

Journal fuer Psychologie zum Thema “Kriegsdiskurse”

Liebe Freunde der Neuen Gesellschaft für Psychologie,
liebe Mitglieder,

heute möchte ich Sie auf das Erscheinen des Themenhefts 1/2017 des Journal für Psychologie (JfP) hinweisen. — Die von Peter Mattes und Ophelia Solti herausgegebene Ausgabe versammelt Beiträge zum Thema “Kriegsdiskurse”.

Kriegsdiskurse haben die Wissenschaft Psychologie zu Zeiten mehr bestimmt als es einer um das Wohl von Menschen besorgten Disziplin angelegen sein sollte. Das betrifft bekanntermaßen die Entwicklung der Psychodiagnostik ebenso wie die der Sozialpsychologie und Einstellungsforschung sowie bestimmter Persönlichkeitskonzepte. In dieser Ausgabe des Journal für Psychologie werden eine Reihe von neuen Untersuchungen vorgestellt, die zeigen, wie Gründerfiguren der deutschsprachigen Psychologien während des Ersten Weltkriegs bis hin zu exilierten PsychoanalytikerInnen in den USA während des Zweiten sich persönlich wie institutionell dem herrschenden Zeitgeist, oft auch direkt militärischen Interessen unterwarfen. Aus der Gegenwart wird das Engagement der APA in die Folterpraktiken von
US-amerikanischen Geheimdienstinstanzen bzw. dessen nur zögerliche Aufarbeitung diskutiert sowie die Möglichkeit einer Psychologie einheimischer Dschihadanhänger erörtert. Ein Aufsatz zu einschlägigen politischen Ideologien in der BRD schließt die Ausgabe ab.

Die Ausgabe ist zu lesen im Open Access sowie als Print on Demand beim
Psychosozial-Verlag zu beziehen.
[Das Inhaltsverzeichnis mit den Direkt-Links zu den Einzelbeiträgen findet
sich weiter unten.]

Die Ausgabe ist Open Access abrufbar unter
https://www.journal-fuer-psychologie.de/
[Direkt-Link:
https://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/issue/view/50
Zurückliegende Ausgaben des JfP finden sich unter:
http://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/issue/archive

Beiträge auch jenseits der jeweiligen Themenschwerpunkte sind jederzeit
willkommen. Reichen Sie diese bitte direkt über das Portal auf unserer
Website ein:
https://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/about/submissions#onlineSubmissions
ein.

Herzliche Grüße im Namen der Redaktion des Journals für Psychologie,

Guenter Mey

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JOURNAL FÜR PSYCHOLOGIE, Jg. 24 (2016), Ausgabe 2: PsychologInnen prekär

hrsg. von Andrea Birbaumer & Peter Mattes

Prekäre Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse sind für Psychologinnen und Psychologen so verbreitet, dass es kaum mehr zu einer Problematisierung kommt. Zumal die materielle Seite, der ökonomische Zuschnitt, eine Berufsgruppe trifft, die gegenüber den meisten der von ihrer Arbeit Betroffenen strukturell und sozial ziemlich privilegiert ist, woraus sich allzu eilfertiges Klagen aus ethischen Gründen verbietet oder zumindest einer berechtigten Peinlichkeit anheimfallen würde. Jedoch erschöpfen sich diese Verhältnisse nicht im Blicken auf diese ihre Oberfläche: Analysiert und kontextualisiert zeigen sich Problematiken, die nicht nur fragwürdige Dilemmata einer Profession darstellen, sondern hinaus weisen auf die Konstitution grundlegender subjektiver, diskursiver und gesellschaftlicher Gegebenheiten, die grundsätzlicher in Frage zu stellen wären.

Dies versuchen die Beiträge in dieser Ausgabe des Journal für Psychologie, die überwiegend entstanden sind nach einer Tagung zum 30 jährigen Bestehen der österreichischen Berufsvertretung für PsychologInnen, Gesellschaft kritischer Psychologen und Psychologinnen (GkPP) im Herbst 2015.

Die Ausgabe ist Open Access abrufbar unter

https://www.journal-fuer-psychologie.de/

[Direkt-Link: https://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/issue/view/49]

Zu den Artikeln von Heiner Keup, Athanasios Marvakis, Sofia Triliva, Christos Tourtouras, Tom David Uhlig, Lisa Hopfgartner, Christian Seubert, Jürgen Glaser, Romeo Bissuti, Daniel Sanin und Hannes Fricke…

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Protest im Rahmen des Diskurses der Macht die Frage nach der „psychologischen Disposition der AfD-WählerInnen“

Protest im Rahmen des Diskurses der Macht
die Frage nach der „psychologischen Disposition der AfD-WählerInnen“

Klaus-Jürgen Bruder, Berlin

Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern:
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern:
„Protest-Wähler“ seien sie
„aus allen demokratischen Parteien“ hätten sie Wähler eingezogen

Aber die das so sagen, nehmen nicht ernst, was sie sagen

Den ganze Text finden Sie hier: kjb_2016_protest-im-rahmen-des-diskurses-der-macht.pdf

Journal für Psychologie: Call for Papers – Kritische Männerarbeit in Theorie und Praxis

Call for Papers
Kritische Männerarbeit in Theorie und Praxis
(Hrsg: Ulrich Krainz, Manfred Buchner und Irene Strasser)

Das geplante Themenheft fokussiert auf eine “kritische Männerarbeit” bzw. “kritische Männerforschung” in diversen Feldern, die in ihrem Selbstverständnis stets eine geschlechterreflektierende und gesellschaftspolitische Dimension tangieren. Kritische Männerarbeit orientiert sich an einer gleichstellungsorientierten Männer- und Geschlechterpolitik sowie an Geschlechterdemokratie.

Von Interesse sind dabei unter anderem folgende Fragestellungen:

  • Was bedeutet kritische Männerarbeit, welchen Zielsetzungen folgt sie?
  • Mit welchen Frage-, Problem- und Themenstellungen ist man in der Arbeit mit Männern primär konfrontiert?
  • Welche unterschiedlichen Ansätze in der kritischen Männerarbeit gibt es und wie können diese konkret aussehen? Wie stehen sie im Verhältnis zu feministischer Arbeit/Theorien, zu queeren Herangehensweisen und Ansatzpunkten? Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Organisationen aus, die hier angesprochene Zielsetzungen verfolgen?
  • Welche Beiträge kann kritische Männerarbeit zu einer gleichstellungsorientierten Männerpolitik und zur Geschlechtergerechtigkeit leisten?
  • In welchen Formen bezieht sich kritische Männerarbeit auf die Kategorie „Geschlecht“? Wie ist ihr Verhältnis zu dekonstruktiven, heteronormativitätskritischen und queeren Ansätzen? Welche Rolle spielen transgender/intersex bzw. schwule Männlichkeitsentwürfe?
  • Wie sehen Entwicklungen bezüglich des Verhältnisses von Männlichkeit und Arbeit aus? (z.B. in Bezug auf aktuelle ökonomische Umbrüche, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Karenzregelungen, Work-Life-Balance usw.)?
  • Wie erklärt sich die Hinwendung von Männern zu politisch-rechtslastigem Denken, Entwürfen und Angeboten? Welche Erwartungen und Machtansprüche verbinden Männer damit? Welche Irritationen und Verunsicherungen von Männern werden hier womöglich instrumentalisiert? Wie kann rechter Männerpolitik aus der Sicht kritischer Männerarbeit begegnet werden?
  • Welche Rolle spielen Aufbrüche zum „neuen Mann“ der vergangenen Dekaden? Welche progressiven Prozesse wurden dadurch angeregt, was konnte verwirklicht werden, wo gab oder gibt es Rückschritte?
  • Inwieweit spielen Themen der Inter- und Transkulturalität, Fragen der Intersektionalität (z.B. von Migration und Männlichkeit) eine Rolle in der Arbeit mit Männern?

Der vollständige CfP findet sich unter: http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/announcement

Falls Sie sich mit einem Beitrag an diesem Schwerpunktheft beteiligen wollen, senden Sie bitte zu unserer Orientierung bis 15.9.2016 ein Abstract (max. 1 Seite) an:
ulrich.krainz@univie.ac.at

Weitere Rezension zu “Neoliberale Identitäten”

Wir möchten Sie auf eine Rezension von Bettina Zehetner des Buches “Neoliberale Identitäten” hinweisen, das aus der gemeinsamen Arbeitsgruppe “Psychoanalyse und Gesellschaft” von NGfP und DGPT hervorgegangen ist.

Das neoliberale Subjekt zwischen Grenzenlosigkeit und Ohnmacht

Erschienen auf der Homepage “Frauen beraten Frauen” (http://www.frauenberatenfrauen.at/rezensionen/bruder.html)

Unsere gegenwärtige gesellschaftliche Situation ist durch zunehmende Ökonomisierung aller Lebensbereiche gekennzeichnet. Wir müssen uns täglich bewähren auf dem immer beschleunigter, druckvoller und prekärer werdenden Arbeitsmarkt ebenso wie auf dem Markt der Körper und Beziehungen. In unserer Selbstausbeutung als Humankapital sind wir unsere strengsten Richterinnen, wir wollen ja selbst die geforderte Leistung bringen – um den Preis von Burn-Out und Bindungsproblemen, Gefühlen der Leere und Sinnlosigkeit. Hinter dem Credo „alles ist machbar“ lauert die Kehrseite der eigenen Ohnmächtigkeit und Ausgeliefertheit. Die Auswirkungen dieser Entwicklung betreffen unsere Psyche und unsere Körper ebenso wie unser soziales Zusammenleben, unser Selbstverständnis und unsere Wahrnehmung von Beziehungen. Wir leben unter dem Imperativ der beständigen Selbstbearbeitung und –optimierung und dem permanent bedrohlichen Gefühl, nicht zu genügen. Diese Tendenzen werden auch sichtbar im Gesundheitswesen, in Psychotherapie und Beratung sowie in der Bildungspolitik. Der vorliegende Sammelband setzt sich mit der Frage auseinander, wie diese neoliberalen gesellschaftlichen Entwicklungen unsere Identitäten formen, welchen Herausforderungen und potenziell schädlichen Anpassungsprozessen wir uns als Subjekte unterwerfen. Die Beiträge behandeln die Thematik aus psychoanalytischer, sozialpsychologischer, politikwissenschaftlicher und pädagogischer Perspektive.

Almuth Bruder-Bezzel verdeutlicht die Identitätsformung durch neoliberale Lebens- und Arbeitsbedingungen. Auch auf diejenigen, die einen Arbeitsplatz haben, wirkt sich die Drohung von Personaleinsparungen disziplinierend und verunsichernd aus, das „Gespenst der Nutzlosigkeit“ (Richard Sennett) geht um. Klaus Ottomeyers Artikel „Die Bildung von Identität zwischen Liberalismus und Dschihadismus“ ist ein spannender Text zur Extremismusdebatte. Mit der Frage „Management statt Verstehen?“ bringt Giovanni Maio die potenziellen Auswirkungen der Ökonomisierung auf die Psychotherapie auf den Punkt und zeigt schlüssig, wie eine kurzsichtige Quantifizierung von Input und Output, Kosten und Nutzen das entwertet und verhindert, was tatsächlich heilende Kraft hat: die Beziehung. Diese Entwertung von Beziehungen, der Verleugnung unseres Einander-Ausgesetztseins bereitet den Boden für eine gesamtgesellschaftlich höchst problematische Entsolidarisierung und einen neuen „Jargon der Verachtung“ (Albrecht von Lucke). Für den Institutionenzusammenhang macht Wolfram Keller die ökonomischen Zwänge in der stationären psychosomatischen Behandlung sichtbar: Menschliches ist nicht beliebig messbar und berechenbar und ein reduktionistisches Menschenbild führt zu einem reduzierten Gesundheits- und Krankheitsverständnis, das Pflegende, Patient_innen und Ärzt_innen gleichermaßen belastet. Die Analytikerin Monika Huff-Müller lässt „Traumatisierung in der globalisierten Postmoderne durch geleugnete Entheimatung“ und den Wert der Andersartigkeit in anschaulichen Fallgeschichten lebendig werden. Ergebnisoffenes Sich-Einlassen auf Erinnern und Durcharbeiten kann lebbare Geschichten mit integrierter Vergangenheit und Gegenwart, Herkunft und Zukunft entstehen lassen – ein Plädoyer für eine Psychotherapie ohne Zeitdruck und Zielvorgabe.

Ein Kritikpunkt ist die fehlende Berücksichtigung der Geschlechterperspektive, denn der Neoliberalismus ist keineswegs geschlechtsneutral, sondern installiert hinter moderner Rhetorik altbackene Geschlechterzuschreibungen und betrifft damit Frauen und ihre Körper in ungleich massiverer Weise als Männer, etwa bei unbezahlten Versorgungstätigkeiten und Care Work, bei der Pornografisierung des Alltags, Prostitution und Frauenhandel.

Bettina Zehetner

Journal für Psychologie – Ausgabe 1/2016: Elternschaft als relationale Praxis

Die neue Ausgabe ( 1/2016) des Journals für Psychologie ist erschienen:

Elternschaft als relationale Praxis

Hrsg. Anna Sieben & Guenter Mey

http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/issue/view/48

Die von Anna Sieben und Guenter Mey herausgegebene Ausgabe versammelt Beiträge zum Thema “Elternschaft als relationale Praxis” und stellt sich in die Tradition der britischen Parenting Culture Studies: Beschreibung und Analyse von Eltern-Kulturen werden als eine interdisziplinäre Aufgabe betrachtet – sie erfordert psychologische, sozialwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Arbeiten.

Mit den neun Beiträgen des Themenheftes werden zentrale Bereiche aktueller Eltern-Kulturen angesprochen, so theoretische Überlegungen zum Begriff der Elternschaft, Analysen der diskursiven Hervorbringung der Eltern-Kind-Beziehung, empirische Untersuchungen zu heterogenen Wegen in die Elternschaft und Perspektiven auf die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bei Elternpaaren, wobei diese als qualitative Forschungsarbeiten in Form von Interviewstudien, Ethnografien, Sekundäranlysen und Dokumentenanalysen angelegt sind.
INHALT

Anna Sieben, Günter Mey: Editorial
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/390

Désirée Waterstradt: Prozesstheorie der Elternschaft: Grundlage zur Reflexion und Offenlegung von Elternschaftskonzepten in Forschung und Berufspraxis
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/391

Michael Wutzler: Verteilte Verantwortungen – Von der geschlossenen, affektiven, familialen Privatheit zum offenen Netz emotionalen Engagements
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/392

Rhea Seehaus: »Ihr Baby braucht Sie, Ihre Liebe, Ihre Naehe und Ihre Zaertlichkeit!« – (Normative) Konstruktionen von Elternschaft und Elternaufgaben in Settings der Natalitaet
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/393

Birgit Mayer-Lewis: Familiengründung im Kontext reproduktionsmedizinischer Angebote
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/394

Maika Böhm, Philipp Franz, Silja Matthiesen: Studierende Eltern – Im Spannungsfeld geschlechteregalitaerer Ideale und traditioneller Geschlechterrollen?
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/395

Waltraud Cornelißen: Das Timing von Kindern – Relationale Praktiken in spaetmodernen Beziehungswelten
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/396

Verena Witzig, Julia C. Nentwich: Neue Väter, alte Muetter? Elternschaft zwischen Egalität und Unterschiedlichkeit
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/397

Sara Maierhofer, Irene Strasser: »Das war bei uns ganz einfach, weil ich war der Verdiener« – Elterliche Arbeitsteilung im Fokus von Traditionalisierungsprozessen
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/398

Eva Tolasch: Der Psychiater als guter Elternschaftskonstrukteur – Eine Fallanalyse am Beispiel von Hausarbeit
http://journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/399

Interview mit Klaus-Jürgen Bruder im Magazin “Hintergrund”

Wir möchten Sie auf ein Interview des Vorsitzenden der NGfP, Klaus-Jürgen Bruder, hinweisen, das in der aktuellen Ausgabe des Magazins “Hintergrund” mit dem Titel “Rechtsruck. Wie Populisten die Flüchtlingsdebatte für ihre politischen Ziele missbrauchen” erschienen ist. Darin wird auch Bezug auf den letzten Kongress der NGfP “Migration und Rassismus” genommen.

Das Interview: http://www.hintergrund.de/201604033913/politik/inland/die-politik-fuehrt-permanent-vor-dass-die-bevoelkerung-sie-keinen-pfifferling-interessiert.html

Näheres zur aktuellen Ausgabe von “Hintergrund”: http://www.hintergrund.de/das-heft-jahrgang-2016.html#hg2016_2

Traumatisierte Geflüchtete haben ein Recht auf qualifizierte psychotherapeutische Behandlung

Erklärung der Teilnehmer_innen des Kongresses „Migration und Rassismus“ der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) vom 3. bis 6. März 2016 in Berlin zum Asylpaket II

Die mit dem Asylpaket II beschlossene Verschärfung des Aufenthaltsrechts will eine schnellere Abschiebung durch Krieg und Flucht traumatisierter Menschen ermöglichen. Gegen Abschiebungen wenden wir uns. Anders als in der Begründung des Gesetzes behauptet, stellt die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zweifelsfrei eine erhebliche, schwerwiegende und oft lebensbedrohliche Erkrankung dar. Dies zu leugnen, bedeutet eine eklatante Missachtung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die internationale Klassifikation von Krankheiten (ICD 10) führt genaue Diagnosekriterien für PTBS auf.

Das im Asylpaket II vorgesehene Schnellverfahren verhindert jegliche seriöse, professionelle Diagnostik. Die Bagatellisierung der PTBS soll zu mehr Abschiebungen nach lediglich oberflächlicher Prüfung führen. Umso befremdlicher ist es, wenn andererseits die Bundesregierung im Jahr 2014 eine Sondervereinbarung mit der Bundespsychotherapeutenkammer abgeschlossen hat, um eine zeitnahe Behandlung im Auslandseinsatz psychisch traumatisierter Bundeswehrsoldat_innen zu gewährleisten. Die Gesundheit von Geflüchteten darf nicht weniger Wert sein, als die Gesundheit von Soldat_innen.

Insbesondere wenden wir uns gegen die 14-Tage-Frist, innerhalb derer Flüchtlinge alle Untersuchungen absolviert und Gutachten über eine psychische Krankheit eingeholt haben sollen. Zudem sollen Psychologische Psychotherapeut_innen zur Begutachtung nicht mehr zugelassen sein, dafür aber jede_r approbierte_r Arzt oder Ärztin, auch ohne psychotherapeutische Qualifikation. Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen bedürfen aber in jedem Fall fachpsychotherapeutischer Kompetenz.

Traumatisierte Geflüchtete müssen verlässlich ein Aufenthaltsrecht erhalten. Die Beendigung der traumatisierenden Situation, ein sicherer Ort, eine sichere Lebenssituation sind unabdingbare Voraussetzung für die Behandlung traumatischer Störungen. Das gilt auch besonders für Kinder und Jugendliche. Das neue Gesetz erhöht die Gefahr einer erneuten Traumatisierung und einer erheblichen Verschlimmerung des Krankheitsbildes. Die Menschenwürde und das Recht auf Unversehrtheit von Leib und Leben werden verletzt.

Das Asylpaket II belegt, dass es nicht um eine unvoreingenommene Prüfung von Asylanträgen, sondern nur um rasche Abschiebung geht. Es ist ein alarmierender Beweis für die menschenfeindliche Politik gegenüber Geflüchteten und Migrant_innen, die wir entschieden verurteilen.

Berlin, März 2016

 

Die Erklärung als pdf: NGfP_Erklaerung_Asylpaket_II.pdf