»Individualität ist nicht gewollt« – Der Widerstand gegen Digitalisierung und Ausbeutungsstrukturen am Beispiel von Amazon. Ein Gespräch mit Detlef Hartmann

Von Christa Schaffmann

Detlef Hartmann, geboren 1941, ist Anwalt, Autor und Aktivist. Von ihm erschien zuletzt der zweite Band von »Krisen – Kämpfe – Kriege, Innovative Barbarei gegen soziale Revolution – Kapitalismus und Massengewalt im 20. Jahrhundert«

Gibt es aus Ihrer Sicht eine »Szene des Widerstands« gegen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI)?

Nicht in dem Sinne, den wir normalerweise mit dem Szenebegriff verbinden. Es gibt eine ganze Reihe von Wissenschaftlern, die sich mit Digitalisierung und KI sehr kritisch auseinandersetzen, weil sie darin eine akute Gefahr für die Freiheit sehen. Nicht umsonst nennt Werner Meixner sein jüngstes Buch »Wollt Ihr die totale Digitalisierung?«. Aber das ist eine andere Ebene als die der Menschen, die in ihrer täglichen Arbeit oder gar durch den Verlust ihres Arbeitsplatzes erfahren, wohin die Technologieentwicklung führt, welche Zwänge sie erzeugt. Die bei Amazon Arbeitenden erleben Sklaverei, die anderen analysieren Sklaverei, um es vereinfacht zu sagen. Die Ebenen kommen selten zusammen. Es wird die Aufgabe der Intellektuellen sein, den Weg zu den Quellen des Widerstands an der Basis zu finden und nicht darauf zu warten, dass die andere Seite sich auf sie zubewegt.

Wie beurteilen Sie die Lage der Arbeiterinnen und Arbeiter bei Amazon und deren Bewusstsein für das, was mit ihnen gerade gemacht wird?

Amazon ist ein Paradebeispiel für die neuen Ausbeutungsstrukturen. …….

weiterlesen: Junge Welt vom 02.03.2020