Vortrag “Agenturarbeit im ständigen Widerspruch zwischen Tun-Dürfen und Tun-Müssen”

Die NGfP lädt zu einem Gastvortrag mit dem Titel Agenturarbeit im ständigen Widerspruch zwischen Tun-Dürfen und Tun-Müssen.

Ankündigung

Die Arbeit in einer Agentur für Public Relations lebt von ihren strukturellen Widersprüchen: Anreiz und Zwang, Anerkennung und Neid, freier Raum und Hierarchie, Transparenz und Verschleierung. Das tragende Prinzip ist dabei die Uneindeutigkeit: Niemand scheint genau zu wissen, welches Rädchen wo greifen muss, aber irgendwie scheint es zu funktionieren. Die Projekte sind meist interessant und erfüllend, die sozialen Beziehungen meist freundschaftlich und offen geführt. Und dennoch ist ungewiss, wie viel mehr der Andere verdient und wie ungemein spannender seine Arbeit derzeit ist.

Aus dieser Ungewissheit resultiert die Angst, die Angst hinten an zu stehen, die neueste Entwicklung zu verschlafen, den letzten Bonus zu verpassen, die Chefs nicht genug zu überzeugen, das Projekt an die Wand zu fahren. Die Folge ist die maximale Selbstausbeutung, entgrenzte Lebensführung das dafür notwendige Programm. Der letzte Widerspruch tut sich auf: Man will bleiben und zugleich gehen. Eine Agentur lebt davon.

Der Praxisbericht bietet einen Einblick in einen wissenschaftlich kaum beforschten Arbeitsbereich, der immer mehr Diplom-Psychologen eine erste Perspektive bietet. Allerdings soll der Vortrag keineswegs auf rein deskriptiver Ebene verharren bleiben, sondern eine strukturelle Analyse von Agenturarbeit versuchen und zur Diskussion stellen.

Alexander Campochiaro ist ausgebildeter Psychologe und Mitarbeiter in einer großen deutschen Werbeagentur. Er möchte in seinem Beitrag zum Einen darauf hinweisen, wie in jüngster Zeit immer weitreichendere Arbeitsfelder für PsychologInnen aufgeschlossen werden und dabei gleichzeitig einen kritischen Blick auf die Agenturarbeit in Deutschland werfen.

Der Vortrag findet am 14. Mai um 19 Uhr in der Silberlaube (JK 26/101) der Freien Universität statt.

Die Vortragsreihe wird Ende Juni mit einem Beitrag von John Bornemann (angefragt) von der Princeton University fortgesetzt. Genaueres dazu erfahren Sie in Kürze hier.