Rückkehr der Gesellschaftstheorie. Kritische Sozialforschung im Widerstreit

Es gibt wieder ein Interesse an Gesellschaftstheorie. Aussagen über bestimmte Segmente, Gruppen oder Populationen reichen nicht mehr. Der Blick richtet sich auf durch neue Paradoxien und veränderte Unsicherheiten geprägte uneinheitliche Zusammenhänge: Gesellschaft. Sie gilt es neu zu entdecken.
Wie ist Gesellschaft heute zu begreifen? Pathologien der kapitalistischen Entwicklung erzeugen neue Risiken; Phänomene der Entgrenzung unterlaufen die gesellschaftliche Differenzierung; Pluralisierung wird überlagert durch Spaltung und Ausschluss. Der skeptische Gestus einer Soziologie, die den Rekurs auf die Kategorie der Gesellschaft verweigert, läuft gerade angesichts der globalen Wirtschaftskrise ins Leere. Empörungsverstärkung und Verdachtsbestätigung reichen nicht aus, erforderlich sind vielmehr Analysen, die Auskunft geben über gewandelte Mechanismen und Medien sozialer Integration, über neue Formen sozialer Strukturierung, erwartbare Polarisierungseffekte und veränderte Herrschaftskonstellationen.
Eine Theorie der Gesellschaft, die ihren Namen verdient, lässt sich weder durch einen von außen herangetragenen Maßstab gewinnen, noch kann sie auf begriffliche Abstraktionen verzichten. Nur durch die Konzentration aufs Einzelne und das experimentelle Austesten konkurrierender Interpretationen kann die Reflexion aufs Ganze gelingen.
Dies ist der Ausgangspunkt der Konferenz des Frankfurter und des Hamburger Instituts für Sozialforschung sowie des Münchner Sonderforschungsbereichs Reflexive Modernisierung. Durchaus im Widerstreit fragt sie nach zeitdiagnostischen Leitbegriffen, methodischen Ansätzen und normativen Perspektiven einer kritischen Sozialforschung, die an dem Anspruch festhält, ihre Zeit in Begriffe zu fassen.

Donnerstag, 3. Dezember 2009
17.00 bis 17.15 Uhr
Begrüßung
17.15 bis 20.00 Uhr
Panel I: Schlüsselbegriffe kritischer Gesellschaftstheorie: Risiko, Anerkennung, Gewalt
Ulrich Beck, Axel Honneth, Jan Philipp Reemtsma
Moderation: Gertrud Nunner-Winkler
Freitag, 4. Dezember 2009
09.30 bis 12.00 Uhr
Panel II: Transnationalisierung: Demokratie und Öffentlichkeit
Ulrich Bielefeld, Edgar Grande, Klaus Günther
Moderation: Claudia Honegger
13.30 bis 15.30 Uhr
Forum 1: Dynamiken des Ressentiments
Holger Knothe, Julijana Ranc, Ferdinand Sutterlüty
Moderation: Ulrike Jureit
Forum 2: Metamorphosen der Staatlichkeit
Volker Heins / Jens Wissel, Fatima Kastner, Markus König
Moderation: Martin Saar
Forum 3: Strukturwandel der Privatheit
Kai-Olaf Maiwald, Werner Schneider, Janosch Schobin
Moderation: Christine Wimbauer
16.00 bis 18.30 Uhr
Panel III: Subjektivierung: Kultur und Privatheit
Martin Dornes, Heiner Keupp, Nikola Tietze
Moderation: Beate Rössler
Samstag, 5. Dezember 2009
09.00 bis 11.00 Uhr
Forum 4: Formwandel von Herrschaft und Gewalt
Bernd Greiner, Christoph Lau, Tobias ten Brink
Moderation: Claudia Weber
Forum 5: Veränderungen der Arbeitswelt
Nick Kratzer / Dieter Sauer , Boy Lüthje / Stephan Voswinkel , Berthold Vogel
Moderation: Natalie Grimm
Forum 6: Paradigmen der Politik
Frank Beckmann/ Chantal Magnin, Klaus Naumann, Willy Viehhoever / Peter Wehling
Moderation: Jens Hacke