Spahn nicht erwünscht

Linke-Mitglieder, unter anderem aus dem »Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung« und der Linksjugend Solid, haben einen offenen Brief an Dietmar Bartsch, Kovorsitzender der Fraktion von Die Linke im Bundestag, geschrieben. Darin heißt es:
Mit Entsetzen haben wir gesehen, dass Du auf dem »Fest der Linken« am 22. Juni mit Jens Spahn, »Gesundheits«-Minister der CDU, ein öffentliches Gespräch führen willst. Jens Spahn stellt in seiner ministeriellen Entscheidungsfunktion eine Gefahr für jede Frau (…) dar, die ungewollt schwanger ist, und für deren Angehörige. Er ist maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass der Paragraph 219 a Strafgesetzbuch nicht gestrichen wurde. Statt dessen wurde dieser Paragraph nur geringfügig modifiziert.
Damit bleiben Ärztinnen und Ärzte in ihrem beruflichen Handeln beschränkt. Frauen erhalten weiterhin keine umfassende Information auf Webseiten von Praxen, die Schwangerschaftsabbruch vornehmen, und bleiben in dieser für sie so existentiellen Angelegenheit entmündigt. Zudem wollte Jens Spahn sich fünf Millionen Euro genehmigen, um etwas zu erforschen, das auf einen Mythos der evangelikalen Rechten in den USA zurückgeht: das Postabtreibungssyndrom, die angeblich psychische Erkrankung von Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch. (…)
Das ist ein Affront gegen alle Frauen der Linkspartei und denen, für deren Interessen wir eintreten. Das ist ein Affront gegen alle, die auf Landes- und Bundesparteitagen immer wieder mit großer Mehrheit für die Streichung des von den Nazis eingeführten Paragraphen 219 a und des jetzt seit fast 150 Jahren bestehenden Kriminalisierungsparagraphen 218 des deutschen Kaiserreichs gestimmt haben. Das ist ein Affront gegen die vielen Aktivistinnen und Aktivisten, mit denen wir im Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung und anderen Pro-Choice-Bündnissen zusammenarbeiten. Das ist ein Affront gegen die Ärztinnen und Ärzte, die vor Gericht gezerrt werden, weil sie sachliche Informationen, die Frauen in Not brauchen, auf ihre Webseiten stellen. Wir fordern von Dir die Absage dieses Gesprächs! Wir sind bereit zu lautem Protest!
Wir sind bereit zu lautem Protest! Und die Psycholog*innen?

Quelle: Junge Welt vom 06.06.2019

https://www.jungewelt.de/artikel/356196.spahn-nicht-erw%C3%BCnscht.html